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  • bert brandstetter

Franz Schmutz aus St. Nikola (1925 - 2019): Stiller, kirchlicher Visionär

Dass der kleine Franz ein schlaues Bürscherl war, bemerkten nicht nur die Eltern in St. Nikola voller Freude, sondern das konnte der Vater als Klassenlehrer seines Sohnes auch professionell beurteilen. Der Weg ans Gymnasium war vorgezeichnet, Franz kam 1937 in das Internat des Aloisianums nach Linz. Schmutz in einem persönlichen Rückblick: „Die Zeit des Nationalsozialismus durchkreuzte schon ein Jahr später diesen Weg, änderte aber nichts an dieser Richtung. Meine Antwort auf Faschismus, Krieg, Lazarett (im Eifelkloster Steinfeld), Gefangenschaft war das Philosophie- und Theologiestudium in Linz.“ Priester wollte er werden, bis er Ingeborg kennenlernte, seine spätere Frau, mit der er zwei Töchter und einen Sohn bekam. Das Studium schloss Schmutz als einer der ersten Laientheologen der Diözese ab und er wechselte 1952 danach in das Seelsorgeamt (heute Pastoralamt) als Liturgiereferent. Vor allem nach dem 2. Vatikanischen Konzil gab es dort sehr viel zu tun, es galt, in allen Pfarren Gottesdienste in deutscher und nicht mehr in lateinischer Sprache zu gewährleisten. In Kooperation mit deutschen Diözesen war Schmutz auch einer der Motoren für das erste deutsche Bet- und Gesangbuch „Gotteslob“. Im Sommer wurde der Liturgiespezialist seinem Metier jeweils für einen Monat untreu. Um dem damals einzigen Redakteur des Kirchenblattes Urlaub zu ermöglichen, übernahm Schmutz jeweils dessen Aufgaben, nichtsahnend, dass dies einst sein Hauptjob werden würde. 1970 agierte Schmutz für zwei Jahre zusätzlich als Sekretär der Diözesansynode, bei der die Strukturen für die nächsten Jahrzehnte gelegt wurden. „Er war ein braver und verlässlicher Arbeiter und persönlich sehr gegen Krieg und für Frieden eingestellt,“ beschreibt Josef Schicho seinen Kollegen, der ihn ab 1980 für fünf Jahre als Chefredakteur der Kirchenzeitung ablöste. Sein privates Zuhause hatte Schmutz in Linz. „Er war natürlich wenig daheim“, sagt Tochter Hemma, „ich erinnere mich an ihn aber als äußerst aufmerksamen und liebevollen Papa“, der ungemein sparsam und selbstlos gelebt habe. Tischlerarbeiten habe er sehr geliebt, „sogar unsere Kästen hat er selbst fabriziert.“ In der Pension ab 1985 zog Schmutz mit seiner Gattin wieder in seine Herkunftsgemeinde St. Nikola zurück. „Zehn Jahre war er Obmann des Seniorenbundes“, bilanziert Bürgermeister Nikolaus Prinz, mit dem Schmutz immer wieder in philosophische Diskussion verstrickt war: „er war in vielen Dingen oft der Zeit voraus, was nicht alle gleich verstanden haben.“ So legte Schmutz im Dekanat Grein die Schienen für die Zeit, in der Laien die Hauptaufgabe der bisherigen Priester zu tragen haben. Gekümmert habe er sich aber auch laut Bürgermeister Prinz ganz im Stillen „um Leute, die es im Leben und in der Gesellschaft nicht so leicht hatten“.



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