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  • bert brandstetter

Franz Keppliger aus Linz (1929 - 2020): Er lehrte ESG-Kinder zu schwimmen

Wenn sich Jahrzehnte nach der Pensionierung eines Mitarbeiters sogar noch ein Generaldirektor an ihn erinnert, kann mit gutem Recht von einer prägenden Persönlichkeit gesprochen werden. „Ja freilich habe ich den gekannt“, braucht der frühere Generaldirektor Max Stockinger nicht lange nachzudenken. „Franzi“ Kepplinger war ein überzeugter ehemaliger „ESG-ler“. Er war der Schwimmlehrer unzähliger Kinder seiner Kollegen. Ob alle wussten, welcher Kapazunder ihnen die sicheren Tempi auf dem Wasser gerade beibringt, ist nicht überliefert. Aber Franz Kepplinger war im Schwimmsport nicht irgendwer: In den 1950-er Jahren selbst Staatsmeister, trainierte er danach etliche Jugendliche bis zum Landesmeister und auch ein Staatsmeister schwamm unter seinen Fittichen. Gleich in zwei Schwimmklubs war er aktiv, für die er viele Abende und Wochenenden in Linzer Bädern aufwendete. Zuständig war Franz Kepplinger zudem für die Ausrichtung von Schwimmbewerben, in deren Pausen er manchmal auf dem 10 Meter Turm als witziger Juxspringer zu erleben war. Schauspielerisches Talent war ihm zu eigen, „der Franzi wollte eigentlich ja so gern Clown werden“, weiß Andrea Artner, eine enge Freundin. Das Schicksal führte den in einer Linzer Mietskaserne aufgewachsenen Buben zunächst noch in den Krieg. Sofort danach fand er einen Lehrplatz als Elektriker in der ESG. Ihr blieb er bis zur Pensionierung treu und hatte lange Zeit Verantwortung für die Freileitungen im städtischen Bereich zu tragen, was nach Schneedruck-Situationen oft schwierig und gefährlich war. Die letzten Jahre verbrachte er im Innendienst. Der damalige Betriebsratsobmann Wilhelm Mahringer erinnert sich gerne an seinen Kollegen, „der so ein lustiger Typ war, mit dem es immer eine Gaudi gab“. Davon dürfte sich eine junge Frau aus dem Waldviertel anstecken haben lassen, Franz heiratete seine Inge 1957. Mit ihr besuchte er als musikbegeisterter Mensch häufig klassische Konzerte, sie unternahmen Kulturreisen und manchmal zog es die beiden auch in die weite Welt, etwa nach Ägypten oder in die Südsee, wo weitere Hobbys ausgelebt werden konnten: Das Tauchen und das Unterwasser-Fotografieren. Je älter Kepplinger wurde, um so jünger wurden seine Schwimmschüler. Statt der angehenden Profis brachte er kleinen Kindern das Schwimmen bei. Für sie gab er jedes Jahr im Brucknerhaus den Weihnachtsmann. Es sei besser, die Jugend für den Sport zu begeistern, als zu riskieren, dass sie auf der Straße Blödsinn machen, war seine Devise. Das Land Oberösterreich ehrte ihn für seinen Einsatz mit dem Titel „Konsulent“. Vor 12 Jahren wurde Franz Witwer und blieb seither alleine. Eine enge Freundschaft hielt er all die Jahre neben seinem Sohn Gerhard mit dem Ehepaar Andrea und Peter Artner aus Hinzenbach, auch als er, bedingt durch eine fortschreitende Demenz, zunächst in das Senioren-Tageszentrum in Dornach, später in das Seniorenheim Eferding übersiedeln musste. „Franzi war ein Kasperl bis ins hohe Alter“, erinnert sich Freund Peter Artner und Sohn Gerhard unterstreicht diese Eigenschaft seines Vaters damit, dass er sogar noch im Heim zur Freude der Mitbewohner Gedichte rezitierte und immer wieder heitere Lieder und Gstanzln sang.





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