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  • bert brandstetter

Franz Hochgatterer (1928 - 2019): Politisches Sprachrohr der Bauern

Es war ein ziemlich unauffälliger, silbergrauer Ford Focus. Dieses 16 Jahre alte Auto hatte in Bad Kreuzen und Umgebung aber einen hohen Wieder-Erkennungswert. Denn wo immer es stehenblieb, stand ein Besuch vom Großwegerer an. Der Großwegerer aus Kalmberg war Franz Hochgatterer, der es sich bis in das hohe Alter nicht nehmen ließ, selbst am Steuer des alten Wagens zu sitzen und seine vielen Besuche zu absolvieren, wie Schwiegertochter Rosina bestätigt: „mein Schwiegervater ist halt einfach gerne zu den Leuten gefahren. Zu den Nachbarn, manchmal auch noch nach Amstetten.“ Weitere Reisen hat Hochgatterer gemieden, bloß in früheren Jahren, als seine Frau Maria noch gelebt hat, nahm er mit ihr an Ausflügen teil. Ansonsten war die nähere Umgebung das bevorzugte Ziel seiner Ausflüge. Die Erfahrungen aus seinen Besuchen registrierte er ganz genau und wurde nach und nach zu einem vielgeachteten bäuerlichen Standesvertreter. Sein eigener Hof umfasste circa 20 Hektar, Hochgatterer lernte aber die Nöte und Probleme von größeren und kleineren Bauern kennen, die es im Mühlviertel noch gibt. Sein Wissen als Standesvertreter brachte Hochgatterer nach und nach in verschiedene Gremien ein, in die er gewählt wurde: er war Forstwart, hatte in der Molkerei eine Funktion, engagierte sich im Seniorenbund und war eine Zeit lang auch Vizebürgermeister von Bad Kreuzen. „Man muss nicht immer der Größte sein, um erfolgreich sein zu können“, sagt Viktor Sigl, der oö. Landtagspräsident über Franz Hochgatterer, den er als seinen größten Förderer bezeichnet in der Zeit, als er selbst ab 1985 junger Bürgermeister in Bad Kreuzen war. „Für mich war der Großwegerer wie ein guter Firmgöd, er hat bei Problemen immer eine Lösung gewusst und meine Arbeit aufmerksam verfolgt.“ Öffentlich bedankt wurde Hochgatterer für seine Verdienste in den 80-er Jahren mit dem Titel „Ökonomierat“. Höchst aufmerksam verfolgte Hochgatterer die Entwicklung seiner Nachkommen. Selbst leider kinderlos, nahm das Ehepaar Hochgatterer in jungen Jahren einen Ziehsohn auf und etwas später wurde ein weiterer Bursch, der jetzige Hofnachfolger, adoptiert. War ihm Sport früher eher einerlei, so verfolgte er bis zuletzt die Fußball-Ergebnisse der Mannschaft seines 19-jährigen Urenkels sehr genau. Der junge Mann war zu seiner großen Freude nicht der einzige Nach-Nachkomme: „Opa hat acht Urenkeln von sechs Enkelkindern“, bilanziert Schwiegertochter Rosina. Geistig fit und interessiert blieb der 90-jährige bis zuletzt: „es gab fast keine Nachrichtensendung auf Radio Oberösterreich, die er nicht angehört hätte“, erinnert sich die Schwiegertochter. Noch am Vortag einer geplanten Venenoperation fuhr er mit dem alten Ford nach Grein, tags darauf ging er ins Spital, aus dem er nicht mehr zurückkehren sollte.



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