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  • bert brandstetter

Franz Denkmaier aus Neumarkt i.M. (1929 - 2020): Der legendäre Postmeister von Neumarkt

Politisch hätte man dem „Postmeister“, wie Franz Denkmaier wegen seines Berufes bis zuletzt genannt wurde, wenig vormachen können. Das tägliche und penibel genaue Studium der „Oberösterreichischen Nachrichten“ und der „Zeit im Bild“ hielten ihn ausreichend informiert. Politisiert hat Franz Denkmaier freilich nie. Ursache war wohl seine persönliche Geschichte als Mitglied einer 1951 aus Kainretschlag in Südböhmen vertriebenen Familien von „Auslandsösterreichern“. Anstatt in Hass und Revanche zu verfallen, verschrieb er sich dem Gegenteil: Ausgleich und Kompromiss, aber sehr wohl auch politische Bildung und möglichst viel Wissen um historische Hintergründe. Doch viel Gerede machte Franz Denkmaier um all das nach außen hin nicht. Viel lieber pfiff er sich was. Immer ein Lied auf den pfeifenden Lippen, wusste man, wo er sich aufhält. Als ausgesprochener Spaßvogel machte er sich zum Freund der Menschen. Mit todernster Miene trieb er mit ihnen seine Späße, ohne jemals verletzend zu sein. Da konnte es schon vorkommen, dass er die am Boden abgestellten Handtaschen von Kolleginnen am Kirchenchor mit Gebetbüchern beschwerte, die diese dann nach Hause trugen. Die Mitwirkung im Chor nahm Franz äußerst ernst, 60 Jahre wirkte er in derartigen Ensembles mit, versäumte kaum eine Probe und galt als Stütze im Tenor. Und auch dort setzte er seine harmonisierenden Fähigkeiten ein, wann immer Meinungsverschiedenheiten auftauchten. Den Gesang polierte Denkmaier gern und oft mit seiner Quetschn auf. Bei unzähligen Geburtstagsfeiern, Poltereien oder Hochzeiten packte er die Ziehharmonika aus und bereicherte die Veranstaltung, nicht zu vergessen die Volkstanzgruppe, die sich gern in seinem Takt drehte oder den Pfarrfasching, den er jahrelang zusätzlich sogar moderierte. Ganz besonders gern spielte er im Kreis der großteils aus seinen Brüdern bestehenden „Mühlviertler Schrammeln“ und später mit Sohn Christian, Enkel Jakob und anderen Verwandten als „Denkmaiersche Familienband“ beim Tag der älteren Generation in Neumarkt. Zweimal schnupperte Denkmaier mit seiner Quetschn bei einer musikalischen Begegnung mit Ostbahn Kurti in Neumarkt sogar internationale Luft. „Ein Musikant, vor dem ich den Hut ziehe“, soll Willi Resetarits gesagt haben. Übertrieben stolz machte Franz Derartiges freilich nicht. Er blieb immer am Boden und pfiff sich seinen Teil. Ganz ohne Politik ging es in seinem Leben dann doch nicht ab. Sohn Christian bewarb sich 2003 um das Bürgermeisteramt in Neumarkt. „Wenn du Bürgermeister wirst, geh ich über den zugefrorenen Dietscher Teich“, sagte er, um wenige Monate später das Gelübde wahr machen zu müssen. Viele Jahre lang erfuhren Zeitungsleser aus seiner Hand, was sich in Neumarkt alles abspielt. Sowohl die Mühlviertler Nachrichten als auch die OÖN setzten auf ihn als bewährten Ortsberichterstatter. Zwischen den Zeilen war für Insider in manchen Fällen wiederum erkennbar, wie sehr ihm der Schalk im Nacken saß. Dabei hätte Großes aus ihm werden können, wäre sein Charakter nicht stark genug gewesen. In den 1950-er Jahren versuchten sowohl der amerikanische CIA als auch der russische KGB, ihn mit beträchtlichen Summen als Spitzel zu gewinnen, weil er um die Grenzsituation gut Bescheid wusste. Mit irgendwelchen Phantasiegeschichten entzog sich Denkmaier der Affäre, anstatt das ihm gebotene Geld zu nehmen. Ihm stets zur Seite war seine Gattin Aloisia, die er 1954 geheiratet und mit der gemeinsam er in Neumarkt ein Haus gebaut hat. Fünf Kinder haben sie bekommen, zwei sind bereits verstorben. Als es in den letzten Jahren um sein Augenlicht und um seine Gehfähigkeit schlechter bestellt wurde, begann seine Lebenslust zu schwinden. Aber noch immer war seine Antwort auf die Frage, wie es ihm denn gehe: „Prima“! Unspektakulär, wie er sein Leben lebte, war sein Sterben. Nach dem Abendessen setzte er sich auf das Bett und machte die Augen zu.




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