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Flora Zellinger aus Linz (1933 - 2019): Viel Lebensglück trotz kleiner Verhältnisse

Am Linzer Bindermichl war sie eine Institution. Regelmäßig flanierte Flora Zellinger mit ihrem Hund Niki durch die Straßen, und das über Jahrzehnte hindurch. Das Geheimnis: alle sechs Hunde, die sie über die Jahrzehnte hielt, trugen den Namen Niki. Deren Rassen waren ihr nicht wichtig, sie holte sich alle aus dem Tierheim. Sie selbst kam mit ihren Eltern 1940 aus Südtirol. Sölderer hatte die Familie geheißen, italienisiert wurde sie auf den Namen Solderi. Ein Grund mehr, für Österreich zu optieren. Kaum in Österreich, verliebte sie sich in den Linzer Fritz Zellinger. Um ihn zu heiraten, benötigte sie noch die Unterschrift ihrer Eltern, so jung war sie 1954. Um ihre Familie durchzubringen, der Tochter Brigitte und Sohn Gerhard entsprangen, musste auch Flora fleißig mitarbeiten. Fritz übernahm den Job seines Vaters als Schulwart am Akademischen Gymnasium, sie verdingte sich als Putzfrau in der damaligen Handelskammer, später dann in der Landesregierung. „Als Wohnung dienten kleine Räumlichkeiten in der Schule, direkt gegenüber dem ehemals renommierten Schallplattengeschäft Bräuer&Weineck“, wie sich Sohn Gerhard wehmütig erinnert, der jetzt als Geschäftsführer des Kaufmännischen Vereinshauses agiert. Um mehr zu verdienen, wechselte der Vater später in die Voest, die Familie bezog eine Wohnung am Bindermichl, die von der Mutter bis zuletzt bewohnt wurde. Trotz der knappen finanziellen Verhältnisse hielt die Familie viel von Ausflügen und Urlauben. „In den 50-er Jahren fuhren meine Eltern mit dem Fahrrad bis zum Gardasee“, sagt Sohn Gerhard, „später schuf sich Papa ein Moped KTM Pony an“. Eines der beliebten Ziele war die Donau bei Ottensheim. „Papa musste die Strecke 8 mal fahren: viermal hin, viermal zurück, bis alle samt Hund am Ziel waren“, erinnert sich Gerhard. Aber auch der Gardasee war einmal ein Reiseziel auf dem Moped mit Flora am Rücksitz, weiß die Familie. Später konnte sich der Vater, der im heurigen Mai verstorben ist, einen Simca 1000 kaufen. Damit waren dann Fahrten bis nach Süditalien möglich, weil beide Eltern soviel Wert auf Reisen legten. Den Tod des Mannes, mit dem sie 65 Jahre verheiratet war, konnte Flora schwer ertragen. Einen Herzschrittmacher, den ihr die Ärzte verordnet hätten, lehnte sie ab. „Der Papa hat sie geholt“, sagt Sohn Gerhard. „Sie hatte so ein großes Herz und war ungemein kommunikativ“, findet Schwiegertochter Andrea und deren Tochter Tanja pflichtet bei: „die Oma war immer fröhlich, es war so schön, mit ihr immer Weihnachten zu feiern“. Dass es seit zwei Jahren mit Tanjas Sohn Filip einen Urenkel gab, war neben dem Umstand, dass es ihre beiden Kinder zu etwas gebracht haben, eine weitere große Freude im Leben der Flora Zellinger.



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