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  • bert brandstetter

Ferdinand Goldfried-Doringer aus Altheim (1957 - 2020): Stadtpolitiker auf der Festspielbühne

So sehr Ferdinand Doringer als Tapezierer und Raumausstatter ein weitum gefragter Spezialist war: In seinem Innersten trafen Leute, die ihn besser kannten auf einen durch und durch kunstbegeisterten Menschen. Die von seinem Großvater in Altheim vor über 100 Jahren gegründete Firma übernahm er gerne und baute sie aus, von Jugend an hatte es Ferdinand jedoch die Musik angetan. Er lernte Trompete, so gut, dass er während der Militärzeit in die Salzburger Militärmusik aufgenommen wurde. Daneben absolvierte er die berufliche Lehre ebenfalls in Salzburg, wo er eines Tages Helga, die Liebe seines Lebens kennen lernte und dabei erfuhr, dass sie so wie er aus Altheim stammte. Mit ihr stieg er in die Firma ein, mit ihr bekam er die Kinder Diana und Dorian und mit ihr teilte er die Urlaubsfreuden an griechischen Inseln: „Ich glaube, wir haben ziemlich alle von denen besucht, weil wir uns dort so wohl gefühlt haben“, schwärmt Helga Doringer. Dass ihr Mann den Doppelnamen Goldfried-Doringer trug, sei eine alte familiäre Erbschafts- oder Adoptionsgeschichte, die vielleicht einmal noch genauer zu untersuchen sei. In Altheim hielt sich Ferdinand mit seiner Trompete nicht zurück, war regelmäßiges Mitglied der Stadtkapelle, die schon seinem Großvater etliche Zuwendungen verdankt und er fand dort wenig verwunderlich seine allerbesten Freunde: „Ich war einige Jahre sogar sein Kapellmeister“, sagt der Rechtsanwalt Peter Frisch und bescheinigt Ferdinand, in der Kapelle voll gern gesehen gewesen zu sein. Das Markenzeichen Doringers sei es gewesen, sich mit allen Menschen, ob jung oder alt, über Gott und die Welt gut unterhalten zu können. In der Stadtkapelle sorgte dies für einen besonders guten Zusammenhalt. „Noch im heurigen Beethovenjahr wollte Ferdinand ein spezielles Konzert dazu veranstalten“, bedauert Frisch den Tod seines initiativen Freundes und Kollegen. 2003 begann sich Doringer für die Altheimer Stadtpolitik zu engagieren. Er zog in den Gemeinderat ein und wurde später Vizebürgermeister. Franz Weinberger, der langjährige Stadtchef, bescheinigt seinem Parteikollegen „hohe soziale Kompetenz, Menschlichkeit und Toleranz“. Und „selbstverständlich wäre der Ferdinand die ideale Besetzung für meine Nachfolge gewesen“, hält Weinberger nicht hinter dem Berg, obwohl sie beide nur wenige Altersjahre trennen. „Die Politik hat meinen Vater gereizt“, vermutet Sohn Dorian, der vor drei Jahren die Firma übernommen hat. „Er wollte noch etwas bewegen für die Gesellschaft“, vermutet Gattin Helga, die seine politische Arbeit voller Überzeugung mittrug. Nicht allzu bekannt waren die künstlerischen Auftritte Doringers in Salzburg, wo er bei allerlei Festspieltaufführungen als Statist zu erleben war: „Im Rosenkavalier hat man ihn gesehen, auch in Don Carlos und einmal trat er gemeinsam mit unserer Tochter Diana sogar im Festspielchor auf“, freut sich Helga Doringer. Wenn nicht auf der Bühne, saßen die Beiden immer gerne und regelmäßig im Publikum. So haben sie keine einzige neue Inszenierung des „Jedermann“ versäumt und auch dem Linzer Musiktheater statteten sie Besuche ab. In Altheim entsteht durch den ziemlich plötzlichen Krebstod Doringers eine große Lücke. Bürgermeister Weinberger, der selbst nach einer Operation noch rekonvaleszent ist, muss sich nach einem neuen Vertreter und Nachfolger für die Wahl im nächsten Jahr umsehen.



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