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Ernst Lasinger aus Unterweißenbach (1945 - 2020): Öffentlicher Einsatz über ein halbes Jahrhundert

Es mag bezeichnend für Ernsts ganzes Leben gewesen sein, dass seine Wiege ausgerechnet in einem Unterweißenbacher Haus stand, das als Armenhaus bezeichnet wurde. Dort wurde er von seiner Mutter entbunden, die wenig später erfahren musste, dass ihr Mann im Krieg gefallen war. Bettelarm schlug sie sich mit ihrem Buben durch, etwas Geld zum Überleben erhielt sie als „Tante“ des pfarrlichen Kindergartens. Im Sommer war sie ohne Einkommen, ihre Eltern nahmen sie mit dem kleinen Ernst immer wieder zum Mitessen auf. So schlugen sich die Beiden durch. Ernst begann 1959 als Praktikant seiner Gemeinde und lernte beim Aushelfen auch andere Gemeinden kennen. „Ich habe den Ernst am 1. Oktober 1964 getroffen, als wir mit dem Postauto nach Linz und von dort mit dem Zug zum Militärdienst nach Salzburg fuhren“, erinnert sich Hans Gradl, der ehemalige Bürgermeister von Schönau noch gut. Für die nächsten 55 Jahre sollte er in Ernst einen verlässlichen Mitstreiter und Freund gefunden haben. Das Hauptaugenmerk von Ernst Lasinger bezog sich zunächst auf Unterweißenbach, wo er 1981 nach einer intensiven Ausbildungszeit zum Gemeindesekretär ernannt wurde. „Sein Ruf war gut. Er war beharrlich und sachlich, sehr hilfreich waren seine guten Kontakte zu den Förderstellen in Linz“, sagt Bürgermeister Johannes Hinterreither-Kern, der mit Lasinger als Letzter von fünf Bürgermeistern zusammengearbeitet hat. Als wichtig erwähnt er auch, dass Lasinger mit allen Fraktionen gut kooperieren konnte, „er war einfach eine Respektperson“. Später, als sich die Region zur „Mühlviertler Alm“ zusammenschloss, war Ernst Lasinger DER Motor dieses Tourismusverbandes. „Alles ging über seinen Schreibtisch“, zollt ihm Hans Gradl Respekt. „Der Ernst hat als Schriftführer immer geschaut, dass kein Sand ins Getriebe kommt und was weitergeht. Es waren oft lange Sitzungen, danach hat aber das Zusammensitzen im Wirtshaus nicht gefehlt“, plaudert Gradl aus der Stube. Dabei wuchs die Freundschaft der sogenannten “Viererbande“ der Mühlviertler Alm, zu der Herbert Wurz aus Kaltenberg, Stefan Rudelstorfer aus Königswiesen, Ernst Lasinger und eben Hans Gradl zählten. Neben der beruflich-politischen Arbeit kümmerte sich Ernst Lasinger mit aller Kraft um den Sport, speziell der Fußball hatte es ihm angetan. In seinen jungen Jahren stand er selbst als legendärer Techniker der Kampfmannschaft auf dem Spielfeld, danach engagierte er sich als Funktionär. Was ihm als Trainer nicht gelang, schaffte er als Sektionsleiter: Dass seine Fußballer den Meistertitel ihrer Liga nach Hause brachten. Stolz war Lasinger mit seinen Sportlern auf den neuen Sportplatz mit der modernsten Fluchtlichtanlage des Mühlviertels, was in den 1970-er Jahren geschaffen wurde. Am Herzen lagen Ernst Lasinger immer auch soziale Themen, womit sich der Kreis zu seinen Anfangsjahren schließt. „Vom Armenhaus zum Vorzeigemodell“, das war sein Bestreben für die Region. So setzte er sich ein für den Ausbau des Seniorenheimes, trat ein für Chancengleichheit und arbeitete mit im „Arbeitskreis Lebensqualität“. Hochdekoriert von Gemeinde und Union trat Lasinger seine Pension an, „Interesse für alle Neuigkeiten hatte der Ernst aber bis zum Schluss“, sagt seine Frau Christine, die er 1969 geheiratet hat. Mit den beiden Kindern und später mit den zwei Enkelkindern fuhr Lasinger jährlich nach Lignano ans Meer. „Immer waren wir im selben Hotel und fühlten uns dort schon als Mitglied der Familie“, sagt Christine, mit der Ernst die Freude am Schwimmen teilte. Als ihr Mann Anfang Jänner mit der Diagnose „Krebs im letzten Stadium“ konfrontiert wurde, entschied er sich für die Betreuung zu Hause durch seine Frau. Und wieder war es die „Viererbande“, die wohl coronabedingt auf Besuche verzichten musste, aber eine wöchentliche Videokonferenz einrichtete und jeden Dienstag mit ihm geplaudert hat. „14 Tage vor seinem Tod haben wir das letzte Mal mit ihm geskypt“, sagt Hans Gradl über seinen Mitstreiter, der ihm zum unverzichtbaren Freund geworden war.


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