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  • bert brandstetter

Prof. Ernst Dunshirn aus Wien (1935 - 2020): Er schuf aus Solisten einen harmonischen Chor

Sein Name stand unzählige Male auf den Plakaten der Wiener Staatsoper. Zu lesen war er ziemlich weit oben, gleich unter dem Dirigenten und dem Regisseur als jener Künstler, der den Wiener Staatsopernchor einstudiert hat. Das war der letzte, große Job von Ernst Dunshirn, den er zehn Jahre lang bis 2007 ausübte. „Ich hätte ihn selbstverständlich verlängert, aber das war ihm gesundheitlich nicht mehr möglich“, bedauert Joan Holender, sein damaliger Chef als Staatsoperndirektor. Er war es, der Dunshirn in Linz entdeckt und nach Wien geholt hat. „Wir haben damals lange nach einem Ersten Chordirektor gesucht und ich habe Dunshirn schließlich vom Fleck weg bestellt“. Der Ruf, den sich Dunshirn in seinen 23 Linzer Jahren erworben hatte, war Holender als erfahrenem Aufspürer von Talenten nicht verborgen geblieben und er sollte sich auch dieses Mal nicht getäuscht haben. Auf dem Programm der Staatsoper stand damals gerade Richard Wagners Oper „Rienzi“. Zubin Mehta fiel als Dirigent kurzfristig aus, Holender betraute Dunshirn mit dem Dirigat und der erfüllte die Erwartungen bei allen 15 Vorstellungen über alle Maßen. Der Staatsopernchor war für Ernst Dunshirn kein Neuland. Schon als 20-Jähriger lernte er das berühmte Ensemble als junger Chorsänger kennen und er stand auf der Bühne, als das legendäre Haus am Ring nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs 1955 mit Beethovens Fidelio wiedereröffnet wurde. Dunshirn, der in der Nähe von Wien geboren wurde, studierte Dirigieren und Kirchenmusik, wobei es ihm vom Anfang an das Chorwesen in besonderem Maße angetan hatte. Jahrelang leitete er neben seinem Studium bereits den Wiener Piaristenchor in Nachfolge des berühmten Professors Hans Gillesberger, später dirigierte er den Wiener Kammerchor, mit dem er in ganz Europa konzertierte. Weitere Auftritte bei den Festspielen in Salzburg, Bayreuth, Bregenz und Verona folgten und bald war Dunshirn Professor für Chorgesang an der Wiener Musikuniversität und gefragter Juror bei vielen internationalen Chorwettbewerben. Tonaufnahmen existieren aus der Zeit mit ihm als Dirigenten und der Starsopranistin Anna Netrebko. Inzwischen stellte sich für Dunshirn durch die Ehe mit der kanadischen Sängerin Donna Ellen privates Glück ein, die Töchter Katharina und Christina vervollständigten die Familie. 1974 übersiedelte die Familie für 23 Jahre nach Linz, in denen Dunshirn unter Theodor Guschlbauer als Chordirektor über 100 Opern, 50 Operetten und Musicals einstudierte und teilweise auch dirigierte. Daneben leitete er für 14 Jahre den Eferdinger Davidchor. „Ernst war sehr penibel in Details“, beschreibt ihn William Mason, der als Solist oft unter Dunshirns Leitung gesungen hat oder auch Franz Binder: „Dunshirn war extrem sängerorientiert, er hat aus 60 individuellen Kehlen einen wunderbaren Gesamtklang geschaffen“. „Ernst Dunshirn war ein eher stiller und introvertierter Künstler“, charakterisiert ihn die Helga Ritschel vom Verein „Freunde des Linzer Musiktheaters“, „ich habe ihn immer liebenswürdig und freundlich erlebt und er hat den Theaterchor zu einem sehr guten Ensemble geformt“. Höchstes Lob streut dem Künstler Dunshirn, der 2003 zum Professor ernannt wurde, Martin Sieghart: „In meiner Zeit als Chefdirigent des Hauses in Linz war Dunshirn ein unverzichtbarer, loyaler und nicht nur musikalisch höchst gebildeter Kollege“. Als Dirigenten, der „immer alle Fäden in der Hand halten und am liebsten alles selber singen“ wollte, geht William Mason bei der Charakterisierung Dunshirns noch mehr ins Detail. Allen gemeinsam ist aber die Beschreibung eines äußerst liebevollen Künstlers, „der immer normal und bescheiden geblieben ist und nie versucht hat, mehr aus sich zu machen“, wie Joan Holender abschließend sagt.



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