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  • bert brandstetter

Erika Baudisch aus Gunskirchen (1949 - 2021): Eine viel beachtete Mutmacherin

Die allerschönsten Komplimente für ihr Leben hat die Unternehmerin Erika Baudisch von den Enkelkindern bekommen. Sophie (9) vermisst ihre Palatschinken. „Du warst wirklich mit Abstand der netteste Mensch auf der Welt“, schreibt Xaver (12) und „dass man bei dir immer willkommen war“, wird Vincent (14) wohl nie vergessen. Dass ihre Oma durchaus beachtliche unternehmerische Spuren gelegt hat, werden sie wohl erst später zu würdigen wissen. Für alle ihre sieben Enkelkinder war sie ganz Oma und nicht die Frau Kommerzialrätin oder die Rotarierin, als die man sie im Bezirk Wels und darüber hinaus gekannt hat. Weit darüber hinaus. Das von ihr gegründete und aufgebaute Haus für Braut- und Abendmoden „Hänsel und Gretel“ in Gunskirchen ist inzwischen das größte seiner Art in Österreich, 2004 war es sogar „schönster Brautsalon Mitteleuropas“. Derartiges wächst nicht von selbst. Erika Baudisch war 32, das jüngste ihrer drei Kinder mit Walter Baudisch ging noch nicht zur Schule, als sie begann, neben der Pfarrkirche von Gunskirchen gebrauchte Kindermode zu verkaufen. Ganz ungeplant entwickelte sich daraus der Trend, einmal getragene Brautkleider feilzubieten. Das Geschäft florierte, der Raumbedarf wuchs und bald war es notwendig, einen völlig neuen Salon auf die grüne Wiese zu stellen. Dieses Vorhaben verglich Erika Baudisch gerne mit der Besteigung des Kilimandscharo. Sie wusste, wovon sie sprach, hatte die stets fitte Unternehmerin doch diesen afrikanischen Superberg mit Freunden 2009 bestiegen. Die nötige Kondition holte sie sich aus ihrem Alltag durch Kraftsport, Yoga, Nordic Walking, beim Segeln oder auf Schiurlauben mit befreundeten Damen. Erika Baudisch liebte es, gut vernetzt zu sein. Der Rotary-Klub bot ihr dazu beste Möglichkeiten und Bernhard Reisner, rotarischer Freund, sagt anlässlich ihres Todes: „Ihr Lachen, ihre Herzlichkeit, ihr Esprit und ihre unbändige Lebensfreude werden mir immer in Erinnerung bleiben. Die Hochachtung vor ihrer unternehmerischen Kraft und Leistung. Viele prägende, glückliche, so wertvolle Momente in rotarischer Freundschaft.“ Eine andere Freundin versucht das Wesen Erikas mit dem Vergleich zu beschreiben, dass es in einem Raum heller wurde, sobald Erika ihn betrat. So gesehen muss Erika Baudisch sehr viel Licht in ihrem Leben verbreitet haben. „Es gab kaum einen Abend, wo meine Mutti daheim war. Sie besuchte Veranstaltungen und fuhr gerne zu Oper und Theater nach Wien oder Linz“, sagt Tochter Christine Rührlinger, die 2009 die Leitung von „Hänsel und Gretel“ übernommen hat. In ganz Europa waren die beiden seither auf Messen unterwegs, sogar eine Dienstreise nach China war für eine spezielle Kollektion dabei. Die Kunden des Brautmoden-Geschäfts kamen inzwischen aus halb Europa. Erikas Anspruch, den Kauf des Brautkleids zum unvergesslichen Erlebnis zu machen, sprach sich herum. Die erfolgreiche Geschäftstätigkeit ihrer Mutter interpretiert sie durchaus auch feministisch: „Leider trauen sich viele Frauen trotz ausreichendem Potenzial noch immer zu wenig zu. Mutti wollte denen Mut machen, es wenigstens zu versuchen“. Als Welser Obfrau von „Frau in der Wirtschaft“ versuchte sie dies strukturell zu verbessern. Doris Schulz beschreibt ihre Langzeit-Freundin so: „Sie war so ermutigend und hat viele motiviert, es neu zu probieren. Und sie hat unzähligen Mädchen mit einem schönen Kleid Mut bei ihrem ersten Ball gemacht“. „Diese Frau hatte ganz viel Kraft, Elan und Leichtigkeit. Sie versuchte jedem zu helfen“, streut ihr Jacinta Mössenböck Rosen. Tatsächlich unterzog sich Erika Baudisch in ihrer Pensionszeit einer professionellen Demenzausbildung und begann umgehend damit, betroffenen Patienten beizustehen. Bedacht hat sie dabei auch ihre inzwischen 102-jährige Mutter, die mit ihr und ihrem Mann im selben Haushalt lebt. Der Unternehmerfunke in Erika Baudisch fiel, als ihr jüngster Sohn fünf war. Erst Mitte März, wenige Tage nach ihrem 72. Geburtstag, brach Erika Baudisch zu einer Schitour auf die Wurzeralm auf. Ein Herzinfarkt brachte sie zu Sturz, die Folgen waren nicht zu reparieren. Bestens betreut auf der Palliativstation des Klinikums Wels konnte sie friedlich sterben. Ihre Familie trauert um sie genauso wie zahllose Freunde und Weggefährten.



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