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Engelbert Pöttinger aus Pram (1927 - 2021): Der Retter der Furthmühle



„Jetzt ist aber Schluss. Oiwei miassn d´Weiberleit des letzte Wort hobn!“ So hätte es Engelbert Pöttinger in seiner bekannt humorvollen und absolut nicht frauenfeindlich gemeinten Art wohl ausgedrückt, als angesichts seines Todes viele ehrende Worte über ihn gesprochen wurden. Bürgermeisterin Katharina Zauner lobte genau diesen „seinen Humor, seine Ruhe und Verlässlichkeit sowie seine Begabung, Sachen auf den Punkt zu bringen“. „Jetzt ist Schluss“, hätte er ihr zugerufen. Er war Bürgermeister von 1986 – 1997, davor 19 Jahre Gemeinderat. Sein wichtigstes Projekt in dieser Zeit war die Rettung der Furthmühle, die viele Pramer für abbruchreif hielten. Engelbert Pöttinger wollte das nicht und setzte all seine Energie daran, die Mühle als technisches Juwel nicht nur zu erhalten, sondern auch mit Hilfe von Langzeitarbeitslosen wieder zu beleben. Heute finden darin neben dem Museum die Musikschule und die Feuerwehr Platz. Alte Kulturgüter zu bewahren, war Pöttinger ein Anliegen, für das er sich durch jährliche Kurse in Reichersberg bis ins hohe Alter sensibilisieren ließ. Als Tischlermeister brachte er für die Restaurationen das entsprechende Fingergeschick mit, und doch holte er sich immer wieder wertvolle Tipps für seine Arbeit. „In seiner geliebten Werkstätte arbeitete er von früh bis spät“, erzählt Tochter Roswitha, die mit zwei Brüdern die Tischlerei und die Bestattung von ihrem Vater 1990 übernommen hat. Den Weg von seinem Wohnhaus zur Werkstatt legte er neuerdings mit einem pinken Elektrogefährt im schnellen Gang zurück. Mobil zu sein war Engelbert Pöttinger schon in frühen Jahren wichtig, er besaß eines der ersten Autos in Pram, entsprechend oft war er daher als Chauffeur, etwa bei Hochzeiten, gefragt. In Pram wurde Engelbert als zweites von drei Kindern einer Tischlerfamilie geboren, den Ausbruch des 2. Weltkriegs erlebte er als Schüler der Hauptschule Ried. Zu den Hausaufgaben gehörte das Sammeln von Heilkräutern, aus denen Heilsalben für die Soldaten hergestellt wurden. Engelbert sollte die Tischlerei des Vaters übernehmen, die Einberufung zum Heer unterbrach die Ausbildung. Statt dessen hatte er in Kiel an der Ostsee zerschossene Fenster zu reparieren, später wurde er nach Norwegen geschickt, um auf Schiffen Flakgeschütze zu befestigen. 1945 geriet er in Stavanger in Gefangenschaft, erst danach konnte er mit Kameraden eine äußerst entbehrungsreiche Heimkehr antreten. Mit eigenen Augen sah er jede Menge zerstörte Städte, was in ihm das Lebensprinzip „nie wieder Krieg“ nachhaltig festigte. In Hallstatt schloss Engelbert Pöttinger 1948 die Tischlerlehre mit dem Meisterbrief ab. Seine Frau Christine heiratete er 1967, mit ihr bekam er vier Kinder. Das weitere Leben verlief nicht ungetrübt. Seine ältere Schwester und Sohn Stefan verstarben. Die Tischlerei expandierte, der Mitarbeiterstand wuchs auf 25, Pöttinger fand daneben aber immer noch Zeit für die Politik, die Feuerwehr und für den Fußball. Nicht nur als Ehrenpräsident des Pramer Sportvereins, sondern aus innerem Drang war er oft am Fußballplatz zu sehen, wie Nichte Angela Repitz erzählt, deren Mann Erwin einer seiner Nachfolger als Bürgermeister war. Manchmal unternahm Pöttinger in seiner Pension eine Reise, auch dorthin, wo er im Krieg sein musste, angeschaut hat er sich aber auch andere Länder wie Marokko, Tschechien oder Weißrussland. Viele seiner handwerklichen Arbeiten verrichtete Engelbert Pöttinger im Stillen, etwa für die Orgel in Pram, wofür der Orgelbauer das „enorme Gespür dieses Tischlers extra erwähnt hat“, wie Tochter Roswitha erfahren hat. Gesund bis fast zum Schluss brachte ihn ein Sturz in das Spital, wo er kurz darauf, hochdekoriert als Ehrenringträger und Ehrenbürger seiner Gemeinde, verstarb. „S´ist Feierabend“, sang der Männerchor bei seinem Begräbnis, was die coronabedingt kleine Feierschar als sehr stimmig empfand. Er selber würde es wohl auch genossen und nach einer Weile aber festgestellt haben: „Jetzt ist aber Schluss“.


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