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Emil Vierhauser aus Freistadt (1943 - 2020): Ein Musterbeispiel der Ehrenamtlichkeit

12 Jahre lang war Emil als Wirt bereits in Pension, an seiner Aktivität gemessen war von Ruhestand freilich wenig zu merken. Ob mit oder ohne Hund schien Emil in Freistadt omnipräsent. Seit die Stadt im Vorbereitungsfieber für die 800-Jahr-Feier liegt, war Vierhauser überhaupt nicht mehr zu bremsen. Als Ehren-Obmann des Schlossmuseums und auch als ansonsten bereits vielfach Ausgezeichneter plante er eine große Ausstellung und kaum jemand konnte sich seiner Begeisterung entziehen. „Der Emil hat immer alle mitgerissen, er war ein unheimlich starker Motor“, streut ihm Gattin Edith Rosen. Sie hielt ihrem Mann seit ihrer Hochzeit 1963 den Rücken frei für seine außerbetrieblichen Aktivitäten, während sie das Gasthaus und die Familie mit den drei Kindern organisierte. Emil, der nach dem 2. Weltkrieg mit seiner Mutter und vier Geschwistern aus Kärnten nach Grieskirchen gekommen war, ging dort zur Schule und stieg bei Meinl in das Berufsleben ein. Als sich die Firma in Freistadt niederlassen wollte, stellte sich der junge Vierhauser zur Verfügung. Die Tageslosung deponierte er regelmäßig bei der Wirtin vom damaligen „Weißen Lamm“, die keine Scheu hatte, die beträchtliche Summe sicher in ihrem Schlafzimmer zu verstecken. Klarerweise fiel Vierhauser dabei auch das Töchterchen der Wirtin auf, Emil verliebte sich in Edith und eine Familie war gegründet. Einige Jahre arbeitete Vierhauser daraufhin bei der Pensionsversicherung, bevor er schließlich Wirt wurde: Zuerst in der Schlosstaverne, später bis zur Pensionierung in der Ratsherrenstube. So gut er dort als äußerst kommunikative Person zu gebrauchen war, so intensiv zog es ihn jedoch zu kulturellen Aktivitäten, wie Edith ausführt: „Er gab Schnitzkurse, brachte Leuten die Hinterglasmalerei näher, er moderierte Konzerte und verfasste Gedichte, viele davon hat Franz Tomschi wunderbar vertont“. Dass er damit seiner eigentlichen Leidenschaft nachkam, als Lehrer zu arbeiten, ist Edith völlig klar, „auf diese Weise konnte er seinen Wunsch einigermaßen erfüllen“. Eingesetzt wurde Vierhausers Kompetenz weiters bei der Stadtkapelle, „sie hat er aus ihrem Tief geführt und danach ein neues Musikheim errichtet“, sagt Alt-Bürgermeister Josef Mühlbachler, der Vierhauser zugesteht, immer wieder Problemfelder aufgegriffen und gelöst zu haben. Zu erwähnen ist weiters sein Engagement in Radio Freistadt, wo er als Sendungsgestalter über „Altes und Neues aus dem Mühlviertel“ berichtete. So geschäftig Vierhauser die ganzen Jahre in Freistadt war, so gern beschäftigte er sich daheim in seiner Werkstatt. Tochter Claudia erinnert sich, stundenlang neben Papa gesessen zu sein: „Er hat uns Kindern auf ganz natürliche Weise beigebracht, dass wir uns etwas zutrauen dürfen“. Unvergessen sind seine glänzenden Augen, wenn er Freunden vom jährlichen Italien-Urlaub mit Kindern und später mit den Enkelkindern erzählte. Johanna Jachs, heute Nationalratsabgeordnete: „Es war immer Lignano, immer dasselbe Hotel und oft sogar dasselbe Appartement. Dort hatte Opa Zeit für seine Familie, nachher gab es regelmäßig ein Fotoalbum zur Erinnerung“. Johannas Tochter Franzi war seit einem halben Jahr der große Schatz des frischgebackenen Uropas, der darüber hinaus Opa von 7 Enkelkindern war. Geschockt über seinen plötzlichen Tod reagiert Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer, der ihn ohne lang nachzudenken zu einem „Musterbeispiel der Ehrenamtlichkeit“ erklärt. Emil Vierhauser wird am 7. Februar um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche von Freistadt verabschiedet.



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