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Dr. Walter Eckerstorfer aus Linz (1936 - 2020): Bei ihm war guter Rat gratis

Es war eine berührende Situation, als der Rektor der benediktinischen Privatuniversität Sant‘Anselmo in Rom, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Eckerstorfer im Krankenzimmer seines Vaters Walter einen Gottesdienst zum Hochzeitstag seiner Eltern zelebrierte. „55 Jahre und einen Tag waren wir verheiratet“, sagt Witwe Brigitte, die von ihrem geistlichen Sohn nach der Messe Blumen entgegennahm, die ihr normalerweise Walter geschenkt hatte, als er dazu noch in der Lage war. Kennengelernt haben sich die beiden durch einen Irrtum. „Bei der Wallfahrt auf den Pöstlingberg habe ich einen jungen Mann gegrüßt, was aber eine Verwechslung war“, erzählt Brigitte Eckerstorfer, die danach bei dem „Falschen“ hängen geblieben ist. Er sollte sich im weiteren Leben als der Richtige herausstellen. Drei Kinder wurden ihnen geschenkt, Martina, Andreas und Silvia. Dass gleich zwei davon, Andreas als Pater Bernhard und Silvia als Sr. Elischa einen geistlichen Weg gehen, ist in dieser durch und durch christlich orientierten Familie wenig verwunderlich. Genauso wenig wie das Prinzip, anderen Menschen helfen zu müssen. Als Walter acht Jahre alt war, hatte er sich zum ersten Mal zu bewähren. Der Vater starb an Leukämie, Walter hat drei jüngere Geschwister und er steht seiner Mutter wie ein Großer bei. Wenige Wochen danach verjagen ständige Bombenangriffe auf Linz die Familie in das Mühlviertel. Walter hütet die Kühe, manchmal verschwindet er im Wald, um zu lesen, oder er unternimmt mit seinem Bruder Radtouren. Der Pfarrer von St. Johann am Walde erkennt das Talent des eifrigen Ministranten und empfiehlt seiner Mutter, ihn in das Petrinum zu schicken. Engelbert Leitner wird einer seiner Klassenkameraden: „Brav, fromm kollegial und recht angepasst“ beschreibt er Walter. Die strenge humanistische und religiöse Erziehung prägen Walters Leben. Trotzdem studiert er nach der Matura nicht Theologie, sondern Jus. Beruflich landet er in der Bauernversicherung. Diese Tätigkeit füllt ihn nicht aus, Walter unterrichtet einige Stunden an der HTL, er gibt Kurse im WIFI und betätigt sich in der Ehevorbereitung der Diözese. Vor allem aber engagiert er sich im Seniorenbund der ÖVP. „Für den hat er sich immer Zeit genommen und er kam als Vortragender im ganzen Land herum“, erinnert sich Gattin Brigitte. Beratungen bot er gerne am Telefon und quasi rund um die Uhr und selbstverständlich kostenlos, erinnert sich die Familie. Seniorenbund Obmann Josef Pühringer wiederholt, was er bereits bei einer Ehrung für Walter Eckerstorfer gesagt hat: „Wollte man alle Menschen versammeln, denen Walter Eckerstorfer jemals geholfen hat, würde das Brucknerhaus nicht genügend Platz bieten.“ In hunderten Informationsversammlungen hielt Eckerstorfer mitreißende Reden und versuchte, für alle Probleme Lösungen zu finden, so klein sie auch gewesen sein mögen. Unterwegs war er in seinem alten Mercedes, nicht selten lud er Leute ein, ein Stück mitzufahren. In der Linzer Innenstadt war der immer mit Anzug bekleidete Eckerstorfer hingegen meist auf dem Fahrrad unterwegs. „Fordernd, ungeduldig, aber auch verständnisvoll“ erleben die drei Kinder ihren Vater. So großzügig Walter Eckerstorfer anderen Menschen gegenüber beschrieben wird, so bescheiden, ja fast knausrig war er zu sich selbst, auch beim Essen, wie seine Witwe erzählt: „mit Pfirsichknödeln oder Tomaten mit Käsescheiben hatte er die größte Freude“. Seine Demenz war schon fortgeschritten, als ihn Klemens Keplinger, Direktor am Petrinum und Sohn seines besten Freundes wenige Wochen vor seinem Tod besucht hat: „Trotz der offensichtlichen Sprechprobleme zeigte er noch sein typisches verschmitztes Lächeln, als wir uns an verschiedene Anekdoten aus seinem Leben erinnert haben.“



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