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Dr. Roswitha Unfried aus Linz (1940 - 2020): Resolute Ordensfrau für die Rechte der Frauen

Weder für ihre Eltern noch auch für ihre fünf Geschwister war es ein besonderer Schock, als ihnen Roswitha mit 25 erklärte, ihren Job als Bankangestellte zu kündigen und in einen Orden einzutreten. Mehr gesorgt hat sie der Umstand, dass sich die Ordenszentrale der „Frauen von Bethanien“ in Holland befand und Roswitha, die nach der Einkleidung sowohl ihren Vornamen als auch die Zivilkleidung behielt, viel Zeit dort verbrachte. Ein Theologiestudium in Holland war in den 1970-er Jahren eine klare Ansage, standen doch führende Katholiken dieses Landes im Ruf, den Katholizismus neu zu definieren. Zwei in Linz in der Telefonseelsorge tätige „Frauen von Bethanien“ (Wilma Immler, Hilde Laible) dürften es gewesen sein, die das Interesse Roswithas an dieser modernen Form des Ordenslebens geweckt haben. Roswitha setzte ihren Schwerpunkt gleich von Anfang an auf die Theologie, speziell auf das Alte Testament. Elf Jahre war sie Assistentin an der Katholisch Theologischen Hochschule. In dieser Berufsphase zeigte sich ihr besonderes Interesse daran, was denn die Bibel zur Position der Frauen zu sagen habe. Roswitha Unfried, prinzipiell sehr ruhig und zurückhaltend, konnte ungemütlich werden, wenn sie merkte, dass Frauen nicht der nötige Stellenwert zuerkannt wurde. „Sie hat es lautstark artikuliert, wenn ihr wieder einmal jemand vorgesetzt wurde, obwohl sie die fachliche Qualifikation aufweisen konnte“, sagt ihr Bruder Timmo. Oder auch im persönlichen Umgang mit ihr konnte sie sich darüber ärgern, wenn Prominente mit all ihren Brüdern per Du, mit ihr aber per Sie waren. Für acht Jahre wechselte Rowitha Unfried in das Bibelwerk des Pastoralamtes als Referentin. Ihre Begeisterung von der Bibel („Bibel ist Ur-Kunde“) übertrug sich rasch auf ihre Studenten, die sich gern um sie als eine der ersten Laien-Theologinnen der Diözese scharten. Unzählige Reisen nach Israel standen in der Zeit unter ihrer Leitung und dennoch: „Roswitha konnte Vieles nicht tun, was sie gern getan hätte“, spielt Bibelwerk-Leiter Franz Kogler auf die bis heute hoch umstrittenen kirchlichen Funktionen an, die nach wie vor Männern vorbehalten sind. Im kleinen Kreis, etwa in der Linzer Froschbergkirche, betrat sie manchmal den priesterlichen Platz, „sie las das Evangelium vor und predigte“, erinnert sich Bruder Gebhard als damaliger Chorleiter. „Proteste gegen ihren Auftritt, die es natürlich gab, ärgerten sie maßlos, genauso wie Kirchenlieder, in denen nur von Brüdern die Rede war“. Die letzte berufliche Station Unfrieds war die Religionspädagogische Akademie, an der sie angehende Religionslehrer unterrichtete. „Sie war ein Kristallisationspunkt für viele Studentinnen, ungemein gewissenhaft, ein sehr kritischer Geist, aber klar verortet in der Kirche“, beschreibt sie Christoph Baumgartinger, ehemals Kollege an der Akademie. „Aus ihrem Mund kam nie ein unüberlegter Satz“, würdigt Johannes Riedl, der langjährige Schulchef das Wirken Unfrieds, die er persönlich als sehr liebenswerte Person gekannt hat. Das Land Oberösterreich ernannte sie zur Oberstudienrätin und verlieh ihr das Goldene Verdienstzeichen. Nach ihrer Pensionierung wurde es ruhig um Roswitha Unfried. Ehrenamtlich engagierte sie sich noch für den Aufbau einer Bibelschule im Greisinghof. Zu schaffen machten ihr aber zusehends eine schmerzhafte Gefäßerkrankung sowie vermehrte depressive Phasen. Zugleich erlebte sie das Absterben ihrer Ordensgemeinschaft, deren letzte Vertreterin in Österreich sie war. Roswitha war müde geworden und hatte sich verändert, sagt Franz Kogler, der sie des Öfteren im Altersheim Rudigier besucht hat. „War sie früher manchmal ein wenig verbissen, lernte sie im Alter für Vieles dankbar zu sein.“




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