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Dr. Otto Lackinger aus Lichtenberg (1924 - 2019): Statistiker, der die Welt verständlich erklärt

„Er ist einer meiner ältesten Freunde“. Ohne lange nachzudenken, verleiht Alt-Landeshauptmann Josef Ratzenböck seinem langjährigen Statistik-Hofrat Otto Lackinger diesen hohen Titel und er untermauert das mit einem regelmäßigen Erlebnis: „jeden Wintersonntag waren wir beide mit anderen Freunden Punkt 15 Uhr Eisstockschießen“. Dass Lackinger, dem ansonsten höchste Treffsicherheit zugesprochen wurde, dabei oft verloren hat, habe der Freundschaft der beiden keinen Abbruch getan. Ratzenböck konnte sich als Politiker auf Lackinger blind verlassen: „in einer Zeit, in der es noch keine Computer gab, sagte er uns an Wahltagen um 13 Uhr 30 das Ergebnis voraus. Er hatte die Statistik im kleinen Finger“. Der Weg dorthin war für Lackinger mehr als eben. Geboren als 4. Sohn einer Eisenbahnerfamilie im Linzer Franckviertel, mussten die Brüder alle Ersparnisse zusammenlegen, um Otto, der nach der vierjährigen Kriegsgefangenschaft in Sibirien bereits 28 war, ein Studium zu ermöglichen. Der eben pensionierte Vater ersuchte aus demselben Grund die Bahn, seinen Schaffnerdienst wieder aufnehmen zu dürfen. Otto inskribierte in Innsbruck Geographie mit dem Ziel, in den Schuldienst zu kommen. Nach dem Probejahr an der Fadingerschule hieß es wegen des geringen Bedarfs an Professoren wieder warten. Otto nutzte die Zeit für eine Dissertation über die Verstädterung im oö. Zentralraum und hievte sich damit direkt in den Landesdienst. Es wäre aber nicht Lackinger, hätte er die Wartezeit nicht zugleich genutzt für die Übersetzerprüfung für Russisch, das er in der Gefangenschaft leidlich gut erlernt hatte. Im Landesdienst gründete er die statistische Abteilung und leitete die wirtschaftswissenschaftliche Gesellschaft. Zunächst war es ihm wichtig, seinen Brüdern das „Darlehen“ für sein Studium zurückzuzahlen. Neben seiner Hauptarbeit verfasste er 200 wissenschaftliche Arbeiten, hielt unzählige Vorträge und wurde zum unumschränkten Spezialisten für alle Probleme im „oberösterreichischen Zentralraum“. Roman Sandgruber, wissenschaftlicher Kollege und OÖN-Kolumnist, sagte anlässlich des 93. Geburtstags über Otto Lackinger: „Er ist ein hervorragender Wissenschafter, der Wissenschaft aus innerer Überzeugung und Berufung betreibt. Otto Lackinger ist aber zugleich ein Praktiker. Ihm war immer die Anwendung und Verwertbarkeit seiner Tätigkeit ein Anliegen, er ist ein hervorragender Kommunikator.“Privat vermählte sich Lackinger vor 67 Jahren mit Margaretha, einem Innsbrucker Mädchen, das er dort im Universitätsverlag kennen- und lieben gelernt hatte. Um seine Familie näher an die Natur zu bringen, siedelte er sie vor 55 Jahren in Lichtenberg an und sie wurden Teil der Bevölkerung. „Von den Bauern lernte er Tarockieren, hier heroben war er absolut daheim“, sagt Tochter Monika Ratzenböck. In Lichtenberg war er Gründungspräsident des Schützenvereins, für die Gemeinde erstellte er das Gemeindewappen und in Lichtenberg wuchsen vor allem „seine Rhododendren, von denen er sicher 50 verschiedene stehen hat. Darum nannten ihn wohl viele Kollegen auch gerne Dr. Rhod“, vermutet Tochter Monika und sie sieht ihren Vater noch immer mit Strohhut und ausgebeulter Hose an seinen Pflanzen stehen. „Manche Passanten meinten manchmal abschätzig, dass sich die Besitzer dieses Hauses offenbar sogar einen Gärtner leisten konnten, in Wirklichkeit sahen sie bloß meinen Vater beim Garteln“. Ein weiteres Hobby sei noch erwähnt, weil es nicht unbedingt zum Image eines hohen Landes-Hofrates passt: Lackinger liebte Tischtennis, er war selber mehrfacher Landesmeister und ließ sich als ausgebildeter Fußball-Schiedsrichter bei Bezirksspielen gerne einteilen. „Auch das legendäre Match Politiker gegen Journalisten wurde immer von Papa gepfiffen“, weiß Tochter Monika. Den Abschluss des Chemiestudiums seiner Enkelin Karin bereitete Lackinger zuletzt noch große Freude, wenngleich er selbst wegen zunehmender Herzprobleme immer mehr beeinträchtigt wurde.



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