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  • bert brandstetter

Dr. Otto Donke aus Linz (1925 -2020): Kinderarzt mit sozialpolitischer und kultureller Ader

Mister 102 Prozent. So wurde Otto Donke von seinen rotarischen Freunden gerne genannt, bezogen auf seine Anwesenheit bei den Veranstaltungen des RC Linz-Urfahr. Kurt Pieslinger, einer seiner rotarischen Freunde erinnert sich an Donke als einen, der bis ins hohe Alter „an allem extrem interessiert war“. Hilfsbereitschaft im täglichen Leben ist das oberste Prinzip von Rotary, Otto Donke übertrug es auf sein alltägliches Leben, und zwar aus tiefster Überzeugung nach all dem, was er in seinen jungen Jahren erlebt und gelebt hat. Ganz aktuell etwa am Beispiel Moria. Donke kritisierte den Egoismus in der Gesellschaft und plädierte für mehr Empathie und Rücksicht. Die derzeit politisch zur Schau gestellte soziale Kälte gegenüber dem Leid der vielen Kinder in dem Flüchtlingslager beschäftigten ihn bis zuletzt. Der Sohn der Linzer Greißler Amalie und Otto Donke war als 15-jähriger Mitglied der “Hitler-Jugend“ mit dem Dienstgrad Fähnleinführer. In diese Zeit fällt ein Vorfall auf der Moldau in Prag. Bei der Bergung eines Burschen verletzte sich Donke das linke Kniegelenk, das Bein musste operativ versteift und damit verkürzt werden. Die dramatische Wende in seinem Leben vollzog sich aber erst etwa zwei Jahre später. Die Amerikaner zwangen ihn und andere Gesinnungsgenossen, bei der Beseitigung der Leichen im KZ Mauthausen zu helfen. Die Ansicht des unvorstellbaren Grauens, das „seine“ Partei dort verübt hatte, machte aus Donke einen anderen Menschen. „Er wurde Agnostiker und hielt von da an in seinem Innersten Abstand zu nationalen Parteien“, sagt seine Tochter Christa Wildmoser. Kurz davor erlebte Donke die Bombardierung seines Elternhauses, die er mit Mutter und Schwester in der Waschküche überstand. Während des Krieges entschied sich Donke für die Medizin. 1948 promovierte er und wählte nach einer begeisternden Vorlesung eines Professors den Weg zum Kinderarzt. In der Linzer Dauphinestraße eröffnete er 1955 als frischgebackener Facharzt eine Ordination. „Klein war die Praxis, die Kinderwagen standen vor dem Haus Schlange, weil Vati so beliebt war“, sagt Sohn Werner, der natürlich wie alle andern Kinder, Enkel und Urenkel auch selbst von Otto Donke medizinisch betreut wurde. Neben dieser Tätigkeit wurde Dr. Donke als ständiger Konsiliarfacharzt am damaligen Linzer AKH engagiert, er bekam den Titel Primarius und hatte fortan auch Vorlesungen an der Schwesternschule zu halten. Sein Neffe Emil Steiner, selbst inzwischen Arzt sagt, „Onkel Otto hatte die kleinste Ordination mit den meisten Scheinen in Oberösterreich, sein Unterricht war legendär, er war wirklich unglaublich beliebt bei den zu unterrichtenden Kranken-Schwestern“.In bester Erinnerung als „wirklich guter Kinderarzt und Professor“ steht Donke bei der ehemaligen Linzer Vizebürgermeisterin Christiane Dolezal, deren Vater schon in kollegialer Verbindung mit ihm gestanden war. Die Ernennung zum Medizinal- und Obermedizinalrat verliehen Donke weitere öffentliche Anerkennung, 1995 beendete er seinen Beruf als Kinderarzt. In Gattin Erika fand Otto 1958 eine ideale Lebensbegleiterin, 62 Jahre waren sie verheiratet, zwei Kinder, und je vier Enkel- und Urenkelkinder gingen aus der Ehe hervor. Wie über alles in seinem Beruf führte Otto Donke penibel genau Buch auch über seine privaten Erlebnisse wie Opernbesuche oder Reisen. So erfährt man, wann und unter wem er an der Wiener Staatsoper die Oper „La Boheme“ oder „Salome“ bei den Salzburger Festspielen genossen hat. Bezüglich Reisen registrierte Otto Donke das indische „Tadsch Mahal bei Vollmond 1969“ oder Manhattan „New York zum ersten Mal 1988“. Genau führte er weiters die Wertigkeiten in seinem Leben an. Die Familie rangierte auf Platz 1. Im Puchenauer Wochenendhaus wäre „der schönste Ort der Welt“, habe er immer gesagt. „Dort zeigten sich meine Großeltern als sehr gesellige Gastgeber mit vielen Einladungen“, erzählt Kira Schinko, die zu ihrem Opa seit dem frühen Tod ihres Vaters Peter 2016 eine ganz besondere Beziehung pflegt. Sie war es, die ihm die Welt des Internet öffnete. Er war 85, als er sich damit intensiv zu beschäftigen begann, viele emails versandte und sogar noch wenige Tage vor seinem Tod das Ipad in Verwendung hatte. Donke liebte die dadurch gewonnene Selbständigkeit. Seine Autonomie war ihm bis zum Schluss sehr wichtig. Dass Kinderärzte zur Mangelware geworden sind, sorgte Donke sehr, war er doch aus Berufung Arzt geworden. Die Familie verliert mit Otto Donke „einen lustigen schlagfertigen, aber recht bescheidenen Menschen. Er stand nicht gerne im Mittelpunkt - aber ein bisschen gefreut hat es ihn dann doch“.


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