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Dr. Manfred Zeindlinger aus Gschwandt (1954 - 2019): Mediziner mit geistlicher Berufung

Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein rundum beschäftigter Mediziner für ein geistliches Amt ausbilden lässt. Bei Dr. Zeindlinger war das der Fall. 20 Jahre, nachdem er in Gschwandt bei Gmunden als praktischer Arzt zu ordinieren begann, trat er in die Ausbildung als katholischer Diakon. 2009 empfing er die Weihe und damit seine offizielle kirchliche Zusatztätigkeit. Jedes zweite Monat stand der Mediziner am Ambo und predigte. Aber wie: „seine Predigten waren voller Glaubensüberzeugung und ließen niemanden kalt“, sagt Bürgermeister Fritz Steindl, der sich durchaus vorstellen kann, dass Dr. Zeindlinger vielleicht auch gern Priester geworden wäre. Aber der Mediziner war verheiratet und Vater von vier Kindern. „Er hatte ein unheimliches Gespür für die Nöte der Menschen, war ein überaus liebenswürdiger Mensch und nahm sich in seiner Ordination viel Zeit für seine Patienten, sicher mehr als üblich“, sagt der Bürgermeister wohl in Vertretung vieler Gschwandter, die vielleicht in der Ordination einen mehr als tauglichen Ersatz gefunden haben für die seit längerem ohnedies nur noch spärlich besetzten Beichtstühle. Wann der „geistliche Funke“ bei Manfred Zeindlinger gefallen war, ist schwer zu orten. Der aus Summerau an der tschechischen Grenze stammende Bursch machte in Freistadt das Gymnasium, studierte in Innsbruck und wurde bei den Barmherzigen Schwestern in Wels zum Mediziner ausgebildet. Bald fand er seine geistliche Heimat in der charismatischen Erneuerung. Vielleicht ist dort sein Wunsch erwachsen, sich zusätzlich zu den mindestens 60 Wochenstunden als Mediziner kirchlich zu engagieren. Nach seiner Weihe zum Diakon leitete Dr. Zeindlinger in Gschand jedenfalls auch mit großer Resonanz eine Bibelrunde. „Verkündigung war dem Manfred ein großes Anliegen“, sagt Alois Kainberger, der für Gschwandt zuständige Priester und Pfarrmoderator. Vor einem Jahr erfuhr Dr. Zeindlinger die schreckliche Diagnose: ALS, eine fortschreitende und nicht heilbare Schädigung der Nervenzellen. Noch auf Stöcke gestützt begab er sich mit der charismatischen Erneuerung im Vorjahr auf eine Wallfahrt nach Rom, die von ihm mit allen Kräften erhoffte Heilung blieb jedoch aus. Aber selbst im Rollstuhl verbreitete er Optimismus und Hoffnung, dass letztlich alles gut ausgehen werde. Als die medizinische Routinearbeit zur unüberwindlichen Hürde zu werden begann, schaffte es Dr. Zeindlinger, eine Nachfolge für seine Ordination zu organisieren und sich Ende März zurückzuziehen. „Wenn nicht ein Wunder geschieht, bin ich bald nicht mehr da“, soll er als Mediziner seine eigene todbringende Diagnose glasklar gekannt haben. Ende September ist er seiner schrecklichen Krankheit erlegen.



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