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Dr. Karl Beham aus Lambach (1941 - 2021): Der Herr Rat vom Bezirksgericht

Aktualisiert: Apr 4

Seine Besuche im Lambacher Gasthof Eitzinger bei Florian, dem Sohn seiner Gattin Monika, gehörten zu seinem unverzichtbaren Tagesritual. Dort genoss er vor allem sein geliebtes Surschnitzerl oder Garnelen im Weinsud. Besonders liebte er die Gespräche mit den Stammgästen des Mittagstisches. Monika bewirtete ihn liebevoll, auch das Servicepersonal war von ihm angetan und schätzte ihn als gern gesehenen, weil auch äußerst großzügigem Gast. Nach dem Essen machte sich der Herr Rat üblicherweise auf den Weg ins Café Imres oder zum berühmten Freitagsstammtisch ins Café Obermair. Er nannte es das Bermuda-Dreieck, da alles in unmittelbarer Nähe war. Seine Vorliebe für Kreuzworträtsel enttäuschte dort so manchen Gast, da sie vorher schon von ihm gelöst wurden. Als es ihm gesundheitlich noch besser ging, verbrachte er laue Sommerabende in der Bar „Barrique“ im Eitzinger. Dort verschenkte er gern Rosen an die anwesenden Damen, um ihnen den Abend zu verschönern. Ein besonderer Draht verband ihn immer zur Jugend, vor allem zu den Freunden seines Stiefsohns Dominik, den er auch im Studium sehr unterstützte, vor allem in seinem Lieblingsfach Latein. Aus Faszination lernte Karl selbst die Sprachen Ägyptisch und Arabisch. Trotz seines auch hervorragendem historischen Wissen gab er sich nie als eine Art Gelehrter aus. Mit Karl konnte man ganz herrlich lustig sein, er erzählte gerne alte Geschichten und auch einmal einen Witz. Karl Beham war in Lambach der „Herr Rat“, auch als er längst nicht mehr im Bezirksgericht den Ton angab. „Er hörte den Menschen zu, blieb auch in emotionalen Situationen ruhig, kontrollierte das Geschehen, war aber bestimmt in der Sache“, beschreibt Richter Ernst Ennser das Naturell seines Freundes und Kollegen. „Der Herr Rat war ein versierter Richter, ausgleichend und er hat viel Beratung in Außerstreitverfahren geleistet“, bescheinigt ihm Friedrich Ilk, der langjährige Lambacher Bürgermeister. „Grad am Land gehört a Gerichtsvorsteher unter d´Leit“, war Behams Motto, das er ausgiebig gelebt hat. Dass „sein“ Bezirksgericht, an dem er von 1987 – 2001 der Chef war, bald nach seiner Pensionierung aufgelöst wurde, empfand er als großen Schmerz. Geboren wurde Karl Beham in Wels, seinen Vater lernte er erst mit acht nach dessen Zeit in der russischen Kriegsgefangenschaft kennen. Während seines Jusstudiums in Graz heiratete er Irene und bekam mit ihr die Töchter Regina und Susanne. 1991 wurde seine geliebte Enkelin Anna geboren, die ihm Urenkel Christoph schenkte und deren Hochzeit im Vorjahr er noch miterleben durfte. 1992 starb seine Frau nach 30 Jahren Ehe. In Monika fand er eine neue Partnerin, die er 2015 noch zum Traualtar führte. “Wir waren eine typische Patchworkfamilie, die sich sehr gut zusammengefügt hat“, sagt Monika. Langeweile war im Leben Behams ein Fremdwort. Sport aber auch. „Mein Mann war ein Couch-Potatoe, obwohl er früher im Fechtsport aktiv war und sich an langen Wanderungen erfreute“, sagt Monika. Immer wieder fand ihr Mann Zeit für Reisen. Die Wachau, die steirische Weinstraße, der Klopeinersee oder St. Wolfgang waren ihm begehrte Ziele, die er mit Monika und Freunden bereiste. Unvergessen blieb ihm eine Fernreise mit Tochter Susanna nach Vietnam und Kambodscha, wo ihn das exotische Essen faszinierte. Zuhause genoss er klassische Musik von Mozart, Grieg und Beethoven oder Frank Sinatra, dessen Hit „May Way“ sein absoluter Liebling war. Vor fünf Jahren bekam er eine schlimme Diagnose, die ihn nicht davon abhielt, weiter zu kämpfen und er sich als „Steh-auf-Manderl“ entpuppte. Im November letzten Jahres wurde er in das Klinikum Wels-Grießkirchen eingeliefert. Nach längerem Aufenthalt mit optimaler Betreuung auf der Internen-B1 unter Primar Hofer, wurde ihm der letzte Wille erfüllt, die Zeit mit mobiler palliativer Unterstützung im Kreis seiner Familie zu verbringen. Zur Erinnerung an ihn bleibt der „Dr. Karl Beham Weg“ auf der Strecke von seiner Wohnung zu seinem geliebten Café Stadlmayr. Diesen Weg widmeten ihm gute Freunde zu seinem 70-er, was ihn mit Freude erfüllte.




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