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Dr. Franz Haunschmid (1929 - 2018): Ein grader Michl

Das Recht war dem studierten Juristen heilig, rechthaberisch bezeichnet ihn aber niemand von denen, die ihn gekannt haben. Ganz im Gegenteil: der Inhaber einer renommierten Notariatskanzlei in Linz war liebenswürdig, äußerst menschlich und sehr sozial.

Geboren und aufgewachsen in Freistadt, woher auch seine Gattin Rosemarie stammt, ließ sich Haunschmidt nach dem Studium in der Linzer Innenstadt nieder und betrieb bis zur Pension die Kanzlei. Sein Nachfolger Wolfgang Lenz beschreibt den Senior als liebenswürdig, nie besserwisserisch und sehr persönlich.

Haunschmidt engagierte sich aber nicht nur für die beruflichen Herausforderungen. Ein großes Herz zeigte er für die katholische Kirche: in der Dompfarre, wo er lebte, aber auch diözesan als langjähriger Obmann der Katholischen Männerbewegung. Auch in dieser Funktion kam ihm seine Gabe, sehr gut sprechen zu können, als gefragter Redner zugute. Sogar als Prediger im Mariendom ist er in Erinnerung, wenn es um die Anliegen von "Bruder in Not" ging, die heute als "Sei so frei" den sozialen Zweig der KMB darstellt.

In der Dompfarre hat Haunschmidt seine kirchliche Heimat gefunden. Dem Mariendom stand der Notar auch einige Jahre als Geschäftsführer der Rudigierstiftung vor. Regelmäßige öffentliche Auftritte hatte er in der Kathedrale als Mitglied der Grabesritter.

Es gibt aber auch den privaten Franz Haunschmidt, Vater einer Tochter und von vier Söhnen. "Er war uns gegenüber tolerant, geduldig und großzügig", erinnert sich Sohn Albert, der als Priester in der Altkatholischen Kirche wirkt. Auch dessen Wechsel dorthin habe Vater Franz mitgetragen und den Sohn mitunter gemeinsam mit Gattin Rosemarie bei Gottesdiensten aufgesucht. "Zum Essen und Beten soll man niemanden nötigen", sei ein öfters gehörter Wahlspruch von Vater Franz gewesen. "Der Opa hat uns viel erzählt, er war ja so belesen, vor allem Geschichte hat in sehr interessiert", sagt Johanna Haunschmidt, sie ist eine der 18 Enkelkinder und praktiziert als angehende Juristin gerade in der ehemaligen Kanzlei ihres Großvaters. Ihr ist in Erinnerung, dass der Opa bis zum Schluss an Neuerungen seines Berufsstandes höchst interessiert war.

Aber auch Reisen bestimmten das Leben des Ehepaares, noch im Mai suchten sie Israel auf. Lesern der Kirchenzeitung ist Franz Haunschmidt vielleicht noch als eifriger Verfasser von Leserbriefen im Gedächtnis, darin zeigte er sich oft kritisch gegenüber neueren kirchlichen Entwicklungen, ohne zugleich beleidigend zu wirken. Die Nachricht über seine fortgeschrittene Krebserkrankung hat der fast 90-Jährige äußerst gefasst aufgenommen, erzählt Priestersohn Albert: "Er war gespannt, wie es drüben sein werde."



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