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Dr. Franz Gütlbauer aus Wels (1946 - 2020): Mächtiger Impulsgeber für mehr Gerechtigkeit

Es lag immer ein Hauch von Spannung in der Luft, wann im Lauf eines Diözesantags der Katholischen Männerbewegung KMB der Chef der damals 18.000 Mann starken Bewegung in der Welser Stadthalle die Bühne betrat. Akribisch hatte sich Franz Gütlbauer auf diesen jährlichen Auftritt vorbereitet und es waren nicht irgendwelche schmeichelweichen Sätze, die er dort oben ins Mikrophon sagte, während unten in der ersten Reihe Politiker verschiedener Parteien aus Stadt und Land zuhörten. Gütlbauer sprach Klartext, wenn christliche Prinzipien und politische Praxis nicht zusammenpassten. „Ja, er war auch kritisch, das gebe ich zu, er war zugleich aber auch fair“, bewertet Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer diese Reden seines CV-Freundes. „Dr. Gütlbauer hat begriffen, dass Migration nur durch eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in ihren Heimatländern in den Griff zu kriegen ist“. Pühringer nimmt Bezug auf das Herzensanliegen von Franz Gütlbauer, die Entwicklungspolitik, die in der KMB von der Organisation „Sei So Frei“ getragen wird. Als deren Obmann setzte er sich für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Menschen in der sogenannten Dritten Welt ein, die er selbst oft und oft bereist hat. Gütlbauer hielt in seinen Reden aber auch der katholischen Kirche den Zeigefinger vor. Er trat ein für eine tolerante und offene Kirche ein, er forderte die Weihe von Frauen und von bewährten Männern zu Priestern, verlangte eine spezielle Seelsorge für homosexuelle Menschen und er sprach sich für ein Grundeinkommen aus. Sachpolitische Zwänge, also die Ausrede, dies alles sei schon gut, aber nicht praktikabel, wies er energisch zurück. „Ihn konnte man beim Wort nehmen, er hatte Handschlagqualität“, sagt Margit Hauft, die als ehemalige Präsidentin der Katholischen Aktion eng und gern mit ihm zusammengearbeitet hat. „Sein Einfühlungsvermögen, seine Sensibilität und sein klares Denkvermögen“ hebt Franz Hehenberger von „Sei So Frei“ hervor. 30 Jahre stand Gütlbauer an der Spitze der KMB, legendär bleibt ein Diözesantag kurz nach der Wende 1990 in Budweis, bei dem „Christliche Werte im vereinten Europa“ diskutiert wurden. Warum er sich das durchaus zeitraubende Engagement in der KMB über so viele Jahre zugemutet habe, beantwortete er in einem Zeitungsinterview einmal mit dem Satz: „Durch die Tätigkeit bei der KMB verliere ich die Bodenhaftung nicht“. Gütlbauers Leben verlief durchaus geradlinig. Sein Vater war Drucker, die Mutter Hausfrau. Im Schauer-Gymnasium legte er die Matura ab und begann in Graz Jus zu studieren. Allerdings hatte er im Maturajahr seine Klassenkollegin Olga näher kennen gelernt: „Wir studierten trotzdem an verschiedenen Studienorten, er Jus in Graz und ich in Wien Pharmazie“. Franz erhielt ein Stipendium und besserte die finanziellen Verhältnisse durch Jobs als Reiseleiter und in der Hochschülerschaft auf. 1971 feierten Olly und Franz Hochzeit, Tina und Michael bereicherten die Familie als Kinder. Neben dem Ausbau der Kanzlei, die Franz von seinem Vorgänger Dr. Voitl übernommen hatte, kümmerte er sich um „Dinge rund um ihn herum, die ihm wichtig waren“, wie seine Frau erzählt: Die Welser Tagesmütter oder die Lions zum Beispiel. „Bei uns Lions war Franz einige Male Präsident und uns hat seine soziale Ader sehr beeindruckt“, sagt Michael Falkensammer, Freund und Arzt, der ihn während seiner fortschreitenden Krebserkrankung begleitet hatte. Beruflich bescheinigt ihm Kanzleipartner Siegfried Sieghartsleitner ein „außergewöhnliches Gespür für die Rechtsauslegung und eine exzellente Beherrschung der Anwaltskunst“. Partner in der Kanzlei ist inzwischen auch bereits Gütlbauers Sohn Michael. „Familiäre Freizeit gab es nicht im Übermaß“, sagt Gattin Olly, etliche Reisen in viele Länder Europas, manchmal auch eine Flusskreuzfahrt habe man aber schon sehr genossen. Seine letzten Tage verbrachte Gütlbauer im Klinikum Wels. Wichtig ist der Familie mit den beiden Enkelkindern, dass seine Frau und die beiden Kinder in der letzten Stunde bei ihm sein konnten. Tröstend für sie die Bewertung seines Lebens durch Alt-LH Josef Pühringer: „Dr. Gütlbauer stand zu Oberösterreich. Er war ein weltoffener Landsmann, wie wir uns ihn wünschen.“



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