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Dr. Ferdinand Heinrich aus Rohrbach (1933 - 2019): Promovierter Kirchensänger

Aktualisiert: 22. Dez 2019

Extrem höflich. Wann immer über Ferdinand Heinrich gesprochen wird, kommt diese Charaktereigenschaft zur Sprache. Manchmal machten sich Freunde in aller Form sogar darüber lustig, so wie es bei der 70-er Feier des damaligen Chorleiters der Fall war. Die gespielte ORF-Millionenshow wäre beinahe geplatzt, weil der Darsteller des Chorleiters vor lauter Höflichkeit nicht dazu gekommen war, die Frage rechtzeitig an seinen Joker zu stellen. Heinrich hat mit allen Gästen herzlich darüber mitgelacht. „Ich bin sicher, es gab niemanden, der ihn nicht gemocht hat“, sagt sein Nachfolger als Chorleiter August Kirschner. Vormachen konnte man Heinrich in Sachen Gesang wenig. Der ausgebildete Tenor hatte reiche Singerfahrung, die bis zu Auftritten im Linzer Domchor reichte. In Rohrbach sang er im Kirchenchor, er gründete einen Chor im Rahmen der katholischen Männerbewegung und war Leiter des pfarrlichen Begräbnischores. Eigentlich war der aus Peuerbach stammende Bauernbub aber Pädagoge. Nach der Pflichtschule in Waizenkirchen und Grieskirchen wechselte er an die Bischöfliche Lehrerbildungsanstalt, wohnte fünf Jahre am Linzer Salesianum und erweiterte sein Wissen danach durch ein Studium der Geographie und Geschichte in Graz. Um überleben zu können, arbeitete er nebenher als Erzieher am Schülerheim „Marieninstitut“. Bereits mit 26 hatte er seinen Doktor und begann bald danach mit dem Unterrichten. Eine besonders enge Beziehung hielt er die ganze Studienzeit zu einer aus Südmähren stammenden Gerlinde, die er in Waizenkirchen kennen gelernt hatte und die er 1964 heiratete. Zwei Jahre später ergriff er die Chance, im neuen Gymnasium Rohrbach zu unterrichten, wofür die beiden natürlich Graz verließen. In Rohrbach kamen ihre Kinder Markus, Birgit und Konrad zur Welt. Am BG Rohrbach machte Heinrich rasch Karriere und übte lange das Amt des Administrators aus. „Ich habe seine hilfsbereite Art sehr bewundert, wie er mit uns jüngeren Kollegen umgegangen ist“, sagt der jetzige Administrator Josef Böck. „Professor Heinrich war außerdem historisch enorm bewandert“. Ähnlich überragend fallen die Beurteilungen durch seine Schüler aus, wie sie Hannes Doneus aus Peilstein formuliert: „den Professor Heinrich haben wir wirklich gemocht. Er war für alles offen und immer extrem korrekt und höflich“. Der Rohrbacher Bürgermeister Andreas Lindorfer ergänzt die Verdienste Heinrichs durch dessen Arbeit im Heimatverein, die er in seiner „ruhigen und bescheidenen Art professionell einbrachte“. Um sich selbst machte Heinrich wenig Aufsehen. Er war zufrieden mit einfacher Hausmannskost, in seiner freien Zeit las er gern, auch Reisen waren manchmal ein Thema. „Angetan hatten es ihm Länder, wo Ikonen gemalt werden“, sagt Sohn Markus, der sich aber auch an mühevolle Zugfahrten der gesamten Familie nach Kroatien erinnert. Ein Auto bekam die Familie erst später, den Führerschein besaß der Vater nie. Riesenfreude hatte der singende Professor mit seinen vier Enkelbuben Jan, Finn, Jakob und Antonio, sie brachten bis zuletzt Sonne in sein Leben.



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