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  • bert brandstetter

Dr. Dimitrios Kechajas (1931 - 2019) Sprachenvielfalt in Linzer Ordination

Es gibt in Österreich wohl nur wenige ärztliche Ordinationen, in denen mindestens sechs Sprachen gesprochen werden. Bei Dr. Kechajas in der Linzer Liebigstraße war das der Fall. Im nordgriechischen Elternhaus war mazedonisch die Umgangssprache. Dimi, wie er damals schon genannt wurde, wuchs mit sieben Geschwistern eines Bauernehepaares auf. „sie mussten ganz viel arbeiten und haben vor allem Tabak geerntet“, sagt Gattin Hannelore, die mit ihrem Mann jährlich einmal von Linz zu den Verwandten geflogen ist. Vier Kilometer betrug Dimis Fußweg hin zum nächsten Gymnasium, an das sich der griechische Militärdienst anschloss. Weil es sich der junge Bursch in den Kopf gesetzt hatte, im italienischen Pisa Medizin zu studieren, erlernte er zuvor die Sprache, stellte dann aber fest, dass der griechisch- italienische Wechselkurs für ihn als nicht gerade begüterten Studenten zu ungünstig war. Daher disponierte er um, entschloss sich für Österreich und lernte im Blitzverfahren deutsch. Das Studium absolvierte er in Graz, von dort wurde der äußerst spar- aber strebsame Jungarzt vom Fleck weg an das Linzer AKH engagiert. Während dieser Zeit lernte er bei einem Kinobesuch seine spätere Gattin Hannelore kennen, sie gab ihren Beruf als Finanz-Buchhalterin auf und wurde seine rechte Hand in der Ordination. Nicht verwunderlich, dass die Adresse Liebigstraße der medizinische Angelpunkt nicht nur für viele Griechen, sondern auch für Personen aus ehemals jugoslawischen Ländern wurde, weil bald weitum bekannt war, dass dort ein Arzt ihrer Sprachen mächtig ist, aber nicht nur das: Dr. Kechajas galt als Mediziner, „der sich noch Zeit für seine Patienten nimmt“, wie ein Kurgast im fernen Bad Ischl einmal lobend sagte. Zwei Burschen entsprossen der Ehe, inzwischen gibt es bereits zwei Enkelkinder. Abseits von seinem Beruf als Arzt tobte sich Dr. Kechajas in seiner Freizeit am allerliebsten im kleinen Haus im Tal der kleinen Rodl aus. Dimi machte alles selbst, er schuf Türen, baute Obst und Gemüse an und buk Brot genauso, wie er es von seiner Mama gelernt hat. „Geliebt hat er es, für Freunde Lamm oder Spanferkel zu grillen,“ wie sich Johannes Riedl, der frühere Präsident des Landesschulrats erinnert. „Wir spielten öfters Karten und tranken ein Gläschen Wein, auch frisch gegrillten Meeresfisch haben wir auf einer Insel nahe seiner Wohnung genossen“. Gerne begleitete Kechajas seine sehr musikalische Gattin bei Konzertreisen des ehemaligen Linzer Kammerchores, wenngleich seine Ohren am allerliebsten die Gesänge der Athos-Mönche hörten. In deren Nähe erwarb das Ehepaar Kechajas vor 15 Jahren eine Wohnung am Meer, die wie bereits erwähnt wiederum zum Reiseziel vieler Freunde wurde. Diese Wohnung erleichterte ihm nicht nur den Abschied von seiner Ordination vor 11 Jahren, sondern auch das Auskommen mit schweren Erkrankungen seit dieser Zeit.




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