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  • bert brandstetter

Dr. Bernhard Wolfram (1942 - 2019) Bezirkshauptmann mit weltweitem Horizont


Der junge Bernhard Wolfram hätte viele Möglichkeiten gehabt, sich beruflich zu verwirklichen. Warum er sich ausgerechnet die Juristerei ausgesucht hat, ist selbst seiner Familie ein Rätsel. Die Großeltern handelten erfolgreich mit Holzwaren, die sie auf der Donau bis in den Balkan verschifften. Sein Vater war Lehrer, die Mutter Ärztin und auch eine Schwester verschrieb sich der Medizin. Wolfram, der schon zu Schulzeiten sehr an Geschichte interessiert war, probierte es nur ganz kurz mit Technik, wandte sich dann aber mit voller Kraft der Juristerei zu, „weil ihm das Recht heilig war“, wie seine Gattin Monika feststellt, die selbst Apothekerin gewesen ist. Als erstes bekamen das die vier Kinder des Ehepaares Wolfram zu spüren, die er alle möglichst gerecht zu behandeln versuchte. „Auch jedes seiner 11 Enkelkinder hatte er auf eigene Art gleich lieb“, sagt Monika Wolfram, die ihren Bernhard 1967 geheiratet hat, als er 25 war. Die Familie wohnte in Altmünster, der junge Jurist stieg in den Landesdienst ein. 1993 wurde er als Bezirkshauptmann nach Braunau berufen. Sein Ruf als „äußerst korrekter Vorgesetzter“ klingt bis heute nach, obwohl er bereits seit 12 Jahren in Pension ist. „Dr. Wolfram war an allem interessiert, auch an privaten Angelegenheiten seiner Mitarbeiter“, sagt Amtsleiter Ingmar Rosenauer, der sich noch gut an die Mühen erinnert, wie die alte Bezirkshauptmannschaft unter Wolframs Leitung „zu einem wahren Schmuckkästchen“ umgebaut wurde. Wolfram, selbst Mitglied der ÖVP, fand rasch Kontakt zu allen relevanten Gruppen im Bezirk, die SPÖ-dominierte Stadt machte ihn unter dem verstorbenen Bürgermeister Gerhard Skiba zum Ehrenbürger, was als großes Zeichen allgemeiner Wertschätzung geachtet wurde. Die „ausgesprochen korrekte Amtsführung Wolframs“ wird der damalige Landesamtsdirektor Eduard Pesendorfer bei seiner Grabrede in den Vordergrund stellen, genauso wie dessen „bewundernswerte Genauigkeit“. War Wolfram einmal nicht in Braunau, kümmerte er sich in seiner Freizeit gerne um die Anliegen der Rotarier. „Alle unsere Kinder waren auf Austausch und auch bei uns in Altmünster waren immer junge Rotarier zu Gast“, sagt Gattin Monika, „sogar im heurigen Sommer waren noch welche da, als es meinem Mann schon gar nicht mehr gut ging“. Aber Bernhard Wolfram liebte es, unter jungen Leuten zu sein und mit ihnen vielleicht sogar in deren Sprache ein wenig parlieren zu können. Seine Sprachkenntnisse verbesserte er sich in der Pension durch mehrere Kurse. Ein weiteres Hobby war die Geschichte, speziell die der Habsburger und hier besonders Kaiser Karl V., in dessen Reich die Sonne nie unterging: „bei dem war mein Mann wirklich Spezialist“. Gerne bereiste das Ehepaar Wolfram in der Pension die weite Welt, „am liebsten der Bequemlichkeit wegen mit dem Kreuzfahrtschiff“. Die Ziele wurden meist so gewählt, dass dabei Kinder besucht werden konnten, die gerade auf Schulaustausch waren. Auch am Klavier konnte man Bernhard Wolfram erleben, in der Pension zeitweise sogar täglich, auch wenn er sich laut seiner Gattin darüber ärgerte, „die Stücke seiner Jugend nicht mehr so geläufig wie damals spielen zu können“. Als er spürte, dass seine Zeit zu Ende geht, schaffte es die Familie, 10 der 11 Enkel nach Altmünster zu holen, um sich zu verabschieden.




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