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  • bert brandstetter

Dr. Alois Krichmayr (1938 - 2018) Jurist als wandelndes historisches Lexikon

Alois Krichmayr hätte vieles werden können in seinem Leben, weil ihn alles interessiert hat. Besonders der Sport hatte es ihm angetan, aber auch die Geschichte und, wie sich später herausstellen sollte, das Theater. Eine seiner Professorinnen im akademischen Gymnasium riet ihm aber, es mit Jus zu probieren, was er dann auch tat. In Windeseile absolvierte er das Studium in Wien und begann eine Laufbahn als Jurist: er wurde Richter, absolvierte mehrere Stationen auf Bezirksgerichten, dann am Arbeitsgericht in Urfahr und schließlich am Landesgericht in Linz, dessen Präsident er ab 1989 über zehn Jahre lang bis zu seiner Pensionierung war. „Krichmayr war ein Bilderbuchpräsident“, erinnert sich Alt-Landeshauptmann Josef Pühringer an die Zusammenarbeit, „er war der Inbegriff der Korrektheit, aber kein Amtsmensch, sondern ein Jurist mit einer extrem menschlichen Amtsführung, weshalb er auch bei seinen Mitarbeitern eine hohe Wertschätzung genoss.“

Neben dem Beruf war es das Bergsteigen, das den körperlich sehr fitten Juristen Jahre stets begleitete. „Kein Berg war vor ihm sicher“, sagt seine Witwe Heide, und „er erinnerte sich an jede einzelne Tour bis ins Detail“. Bergkameraden konnte er daher viele wertvolle Tips geben, welcher Weg am besten ans Ziel führte. Auch Schitouren waren Krichmayr immer eine helle Freude. Große Freude fand der pensionierte Präsident weiters an Reisen, die ihn etwa nach Namibia, China oder Usbekistan führten. Regelmäßig, dafür aber mehr als 30 Jahre lang, zog es ihn nach Bled in Slowenien. „Dort fühlte er sich wie zuhause“, erinnert sich Gattin Heide, die daher ein Foto dieser slowenischen Idylle auf das Toten-Gedenkbild setzen lässt. In Geographie und Geschichte galt Dr. Krichmayr bei allen, die ihn kannten, als verlässliches Nachschlagewerk, das viele seiner Nichten genossen, weil Onkel Alois sie liebend gerne immer wieder auf ihr Wissen prüfte. Auch selbsterfundene Geschichten beweisen das kreative Talent des Gerichtspräsidenten. „Aufs Stichwort konnte mein Mann die wildesten Streiche erfinden, die Kinder nur anstellen konnten“, schwärmt Gattin Heide.

Ein weiteres Steckenpferd des hochkarätigen Juristen war das Theater, das er oft besuchte. Den Höhepunkt stellte dabei wohl der Besuch einer Lohengrin-Aufführung in Bayreuth dar, weil er schon immer ein großer Verehrer des Komponisten Richard -Wagner war. Dass die Ehe mit seiner ersten Gattin, mit der er drei Kinder hatte, gescheitert war, stellte lange ein belastendes Element in der Familie dar. Umso intensiver kümmerte sich Krichmayr um Tochter Christine aus zweiter Ehe. Dass an seinem Sterbebett aber alle seine vier Kinder anwesend waren, empfindet Gattin Christine als hoffnungsvolles Zeichen der Versöhnung.


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