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Doris Karner aus Waldhausen (1977 - 2021): Energie aus dem Glauben

„Was meine Frau angegriffen hat, das musste echt sein. Das Digitale war nicht so ihre Welt“. August Karner nennt als Beispiel die Tätigkeit seiner Frau Doris als Standesbeamtin in Waldhausen. Die früher handgeschriebenen Urkunden liebte sie mehr als deren ausgedruckte Nachfolgepapiere. Doris Karner stand für den persönlichen Kontakt. „Ihr konnte man sich schwer entziehen, obwohl sie sich nie in den Mittelpunkt drängte“, sagt Pfarrer Karl Wögerer, der besonders die vielen „Frauenfrühstücke“ erwähnt, die Doris für das Katholische Bildungswerk in Waldhausen organisierte. „Sie konnte hervorragend zuhören und war bei Allem, was sie tat, völlig bescheiden“, erinnert sich Andreas Zeitlinger, dessen Frau Gabriele den „Blick für Kleinigkeiten“ erwähnt, der Doris ausgezeichnet habe. Ja, und natürlich das tiefe Gottvertrauen, das bei ihr spürbar gewesen sei. Alle paar Wochen trafen sich die Zeitlingers mit dem Ehepaar Karner und anderen Paaren zu einer Familienrunde im Rahmen der „Schönstatt-Bewegung“, einer katholischen Erneuerungsbewegung mit starkem Schwerpunkt auf Ehe und Familie. Doris Karner schöpfte aus dieser Bewegung viel Energie, „sie sah ihr gesamtes Leben im Licht des Evangeliums“, sagt ihr Mann Gust, ihre tiefe Frömmigkeit dürfte sie von ihrer Mutter mitbekommen haben.

Aufgewachsen in Dimbach und Waldhausen war Doris mit ihrer Schwester gefordert, als 1992 ihr Vater mitten in einer konstituierenden Gemeinderatssitzung tot umfiel. „Meine erste Amtshandlung als neu gewählter Bürgermeister war es, der Frau Eder den Tod ihres Mannes mitzuteilen“, erinnert sich der frühere Ortschef Karl Grufeneder. Bald darauf bekam Doris einen Lehrplatz am Gemeindeamt, später wurde sie zu Grufeneders Sekretärin: „Verlässlich, loyal, freundlich und ungemein belastbar“ erlebte er sie und streut ihr noch heute Rosen, wenn er an die Organisation der Landesausstellung und des Oberösterreicherballs 2002 denkt, wo Doris Karner organisatorisch die Hauptlast zu tragen hatte. Daneben agierte sie als Sekretärin der Strudengauer Messe und als Standesbeamtin mit über 100 Trauungen. Nicht ganz zufällig datierte sie ihre eigene Hochzeit mitten in die laufende Landesausstellung mit dem Thema „Feste feiern“. „Ihre Hochzeit war ein Großereignis und der Höhepunkt“, schwärmt der Altbürgermeister. Den aus Scheibbs stammenden August Karner fand Doris eher zufällig während einer pfarrlichen Pilgerreise nach Jordanien. Um ihrer aufkeimenden Liebe sicher zu sein, pilgerten beide nach Medjugorje. Die Geburt ihrer beiden Töchter Miriam und Nicole konzentrierte die Aktivität auf das Familienleben, zeitweise Aushilfen in der Gemeinde und in der Firma „Fenstar Karner“ ihres Mannes leistete sie aber gerne. Vor allem zeigte sich Doris immer offen für Leute, die sie gebraucht haben, wofür etwa ihre sieben Patenkinder stehen mögen, für die sie Verantwortung übernommen hat. Ein besonderes Markenzeichen von Doris war der vierblättrige Klee, den sie nahezu bei jedem Spaziergang fand und in dem ihr Gust ein Zeichen des besonderen Glücks mit ihr sah. Im Rahmen der Schönstatt-Bewegung ließ sich Doris mit ihrem Mann in einem zweijährigen Ausbildungsmodul zum Familientrainer ausbilden, zusätzlich absolvierten beide einen Pädagogik-Kurs. Unzählige weitere Seminare und Glaubenskurse ergänzten den Wissensdurst von Doris Karner. Und wiederum setzte sie ihre Glaubensüberzeugungen in die Praxis um, etwa für „Mary´s Meals“, eine Ernährungsinitiative für 14 Länder. Für Schulkinder in diesen vor allem afrikanischen Ländern sammelte sie Schultaschen und Rucksäcke, gefüllt mit allem, was Kinder dringend brauchen: Hygienartikel, Bälle, Löffel, Schreibzeug, Schuhe usw. So lustig, lebensfroh und fröhlich Doris Karner von ihren Wegbegleitern und Glaubensfreunden beschrieben wird, erschütterte sie und ihre Familie vor einem Jahr die Diagnose „Brustkrebs“. Bald fand sie zwar durch die Chemotherapie Zuversicht, man Sprach schon von einem Wunder, Metastasen ließen ab Allerheiligen allerdings jede Hoffnung auf Heilung schwinden. Eine von Gust ins Leben gerufene WhatsApp-Gebetsgruppe samt virtueller Candlelight-Stunde scheinen ihre Schmerzen im Krankenhaus gelindert zu haben, „das schenkte uns etwas Zeit miteinander“, sagt Gust. Seine bereits massiv sehgeschädigte und bewegungsunfähige Doris musste er schließlich trotzdem gehen lassen. Einer ihrer letzten Sätze gibt ihm anhaltenden Trost: „Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand“. Anstatt in Trauer zu versinken, organisierte Gust Karner über die WhatsApp-Gruppe einen abschließenden Lobpreis für das Leben seiner Frau.




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