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  • bert brandstetter

Dkfm. Dr. Karl Schützeneder aus Linz (1930 - 2020): Universaltalent mit musikalischem Schwerpunkt

Dass seine Wiege in einer bescheidenen Tragweiner Schusterfamilie stand, daraus machte Karl Schützeneder nie ein Hehl. Im Gegenteil: Seiner Heimat hielt er auch als bestens vernetzter Doppelakademiker wie selbstverständlich immer die Treue. Karl war das zweite von sechs Kindern und es war kein geringes Opfer für seine Eltern, die ihren Schusterbetrieb gerade in eine Fabrik für Sicherheitsschuhe umzuwandeln begonnen hatten, mit ihrem Karl schon den zweiten Sohn studieren zu lassen. Aber Karl lernte sich so leicht, dass er nach der 2. Klasse Hauptschule nahtlos in die dritte Klasse des Freistädter Gymnasiums wechseln konnte. Zugleich lernte er Klavier und Orgel. Um die in seinem Elternhaus einquartierten russischen Besatzungsoffiziere besser verstehen zu können, erwarb er sich in der Schule so gute Russischkenntnisse, die er danach bei offiziellen Vernehmungen als Dolmetsch einsetzen konnte. Sein Studium des Welthandels jagte er in Rekordzeit durch. „Gewohnt hat mein Bruder ganz armselig und bescheiden, aber er hat sich sein Studium selbst verdient durch regelmäßige Einsätze als Organist der Weinhauser Kirche im 18. Wiener Bezirk“, sagt Helmut Schützeneder. Aufgetreten ist Karl in seinen Studienjahren mitunter als Jazz-Pianist. Bei einem derartigen Wettbewerb schaffte er unter 300 Teilnehmern den beachtlichen Platz Fünf. Der Sieg ging damals an den später weltberühmten Pianisten Friedrich Gulda. In seinem Studium lernte Schützeneder neben den Prinzipien der Wirtschaft weitere Sprachen und parlierte bald neben Englisch auch in Spanisch. Mit 22 war Karl Schützeneder Diplomkaufmann und Doktor, 1952 trat er den ersten Job in der Chemie Linz an, bevor er 1954 in die damalige Alpentreuhand (später KPMG) eintrat. Als Geschäftsführer und Partner ging er 1994 in Pension. Eine Zusatzausbildung im Fach Wirtschaftsprüfer mit Hannes Androsch als Kommilitonen hatte seine Kompetenzen perfekt ergänzt. Die Musik blieb die ganzen Jahre der rote Faden in seinem Leben. Am damaligen Brucknerkonservatorium belegte er Tonsatz bei Helmut Eder und perfektionierte sich an der Orgel weiter. Einer seiner damaligen Studienkollegen war der Florianer Chorherr Augustinus F. Kropfreiter. Zu ihm, aber auch zu den legendären Brüdern Hermann und Joseph Kronsteiner entwickelte sich eine herzliche Freundschaft. „Mit ihnen unternahm mein Bruder immer wieder Kulturreisen, wo er sich etwa in Spanien wieder als Dolmetsch nützlich machen konnte“, sagt Bruder Helmut Schützeneder. Schon lange zuvor hatte sich Schützeneder als Komponist versucht. „Missa in Honorem St. Mariä“ hieß sein Werk, das 1950 erstmals aufgeführt wurde. Diese an Anton Bruckner angelehnte Messe ergänzte und erweiterte Schützeneder immer wieder, zur 700 Jahr Feier von Tragwein gab er ihr den Namen „Tragweiner Jubiläumsmesse“ und freute sich immens, als sie zu seiner Goldenen Hochzeit von den St. Florianer Sängerknaben wiedergegeben und aufgenommen wurde, nur: Fertig war die Messe noch immer nicht. Karl Schützeneder wollte sie noch mit dem einen oder anderen Vorspiel versehen, wozu es dann aber nicht gekommen ist und die „Tragweiner Messe“ eigentlich eine Art „Unvollendete“ geblieben ist. Insgesamt liegen 10 Kompositionen von Karl Schützeneder vor. Genau 56 Jahre vor der Goldenen Hochzeit lernte Karl die Hotelrezeptionistin Brigitte kennen. 1968 war Hochzeit und drei Kinder kamen: Peter, Christian und Ines, zu denen inzwischen bereits sieben Enkel gehören, denen sich Opa Karl mit aller Begeisterung widmete. Enorme Faszination brachte Karl Schützeneder den St. Florianer Sängerknaben entgegen, für die er einen Verein formte, dessen ersten Geschäftsführer er ehrenamtlich machte. “Er hat ein jedes unserer Konzerte besucht, er war Fan, Freund und Mitarbeiter zugleich“, dankt ihm Franz Fahrnberger, der scheidende Leiter der singenden Buben. Sehr zu Dank verpflichtet ist Schützeneder das Linzer Musiktheater. Gerhard Ritschel vom Verein der Freunde des Musiktheaters: „Er war ein unglaublich aktiver Rechnungsprüfer und hat uns als Bestes seine Frau als Mitarbeiterin zur Verfügung gestellt“. Benefizkonzerte organisierte Schützeneder für Hochwasseropfer, für die Pöstlingbergkirche oder für die Ruine Reichenstein. Der Dank dafür war ihm Lohn genug, aber die Auszeichnung, einmal die Brucknerorgel in St. Florian spielen zu dürfen, war neben zahlreichen offiziellen Auszeichnungen zweifellos eine seiner größten Freuden, die ihm Organist Klaus Sonnleitner ermöglichte. Seine lange Fitness verdankte Karl seiner lebenslangen Sportlichkeit. Schon in Studienjahren kickte er für St. Oswald/Freistadt und engagierte sich mit aller Kraft für den Aufbau des Tennisclubs in Tragwein. Schifahren gehörte weiters zu einem seiner lange ausgeübten Hobbys. Vor zwei Wochen erlitt Schützeneder einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte.



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