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Dkfm. Dr. Eduard Huemer aus Linz (1932 - 2021): Unabhängig zum erfolgreichen Hotelier

Seine beiden Hotels in zentraler Linzer Lage waren bekannter als ihr Besitzer und Betreiber. Das City-Hotel in der Schillerstraße und das Domhotel in der Baumbachstraße, beides Viersternhäuser mit insgesamt 240 Betten, waren die Herzstücke der Immobilien von Eduard Huemer, der sich selbst aber um keine Bekanntheit oder Berühmtheit bemüht hatte. „Wir waren nicht vernetzt. Unser Grundsatz war immer: Geschäft durch Qualität, nicht durch Beziehung“, unterstreicht seine Gattin Johanna deren gemeinsames Grundprinzip. Höchstens bei dem einen oder anderen Empfang einer ihrer Hausbanken seien sie gewesen, ansonsten habe man sich von der Linzer Society ferngehalten. Unabhängig und zielbewusst zu sein lernte Eduard schon in seiner Kindheit, wo seine Eltern das Wirtshaus „Strudengau“ in Sarmingstein betrieben. Zur Volkssschule in St. Nikola musste Eduard täglich vier Kilometer entlang der Donau zu Fuß gehen. Dabei dürfte seine tiefe innere Beziehung zu diesem Strom gewachsen sein, die ihn bis zuletzt begleitet hat. Die acht Jahre bis zur Matura verlebte Eduard im Internat des humanistischen Piaristengymnasiums in Krems. Hatte er Ferien, verbrachte er diese Zeit am liebsten an der Donau auf seinem Paddelboot, schwimmend oder ein wenig beim Fischen. Nach der Matura studierte Eduard Huemer ein Jahr auf der Hotelfachschule, bevor er auf Welthandel umsattelte und dort seinen Diplomkaufmann und das Doktorat erwarb. Wenige Jahre arbeitete Huemer für die Papierproduktionsfirma Leykam in Tirol, danach heuerte er bei der Chemie Linz an, wodurch er seine Eltern öfter sehen konnte, die nach dem Verkauf des Gasthauses nach Urfahr gezogen waren. 1976, Eduard war bereits 43, lernte er auf einem Hausball seines Steuerberaters Karl Schützeneder in Tragwein, Johanna Obermair aus Eferding kennen. Die Liebe war so groß, dass bereits nach drei Monaten Hochzeit gefeiert wurde. Irgendwann dachte Eduard an eines der Grundstücke seiner Familie in der Schillerstraße und er fragte sich und seine Frau, ob man darauf nicht ein Hotel errichten könnte. Gesagt, getan, 1981 wurde das Cityhotel als Viersternhaus eröffnet und „es hat voll eingeschlagen. Wir waren übervoll und mussten Gäste sogar abweisen“, erinnert sich Johanna Huemer, die ihren Beruf aufgab und neben ihrem Mann in der Hoteldirektion arbeitete. Zugleich in den Start ihrer Hotelkarriere fiel 1981 die Geburt ihres einzigen Sohnes Armin. Das Cityhotel lief so hervorragend, dass Huemer vier Jahre später das Angebot der früheren Betreiber des Domhotels in der Baumbachstraße annahm, dieses ehemalige Fünfsternhaus zu kaufen. Nach einer blitzschnellen Generalsanierung ging dieses Haus in Betrieb und auch in diesem Fall sollte sich die Investition gelohnt haben. Auf dem Erfolg auszuruhen war aber nie eine Option im Leben des Eduard Huemer. Als das Nachbarhaus seines City-Hotels durch den Auszug des Landes-Tourismusverbandes frei wurde, kaufte er die Liegenschaft und erweiterte das Cityhotel 2014 auf seine heutige Größe. „Mein Mann hat immer neue Dinge an Land gezogen. Ich hatte die Aufgabe, die Klein- und Detailarbeit zu erledigen“, schildert Johanna Huemer die Arbeitsaufteilung des äußerst arbeitsamen Paares. „Um halb sieben in der Früh waren wir täglich bereits im Hotel“. Urlaube und Erholungszeiten habe es kaum einmal gegeben. „Wir besitzen ja eine Wohnung am Attersee, waren aber schon lange nicht mehr dort“, bedauert Johanna. Ja, in ihre Heimat Eferding seien sie schon manchmal gefahren in ihrem kleinen Skoda, aber nur entlang seiner geliebten Donau. Kleine Ausflüge gab es mitunter auch in die Wachau, natürlich über seine Heimat Sarmingstein und natürlich wieder entlang der Donau. Sogar Heurige hätten sie dort mitunter besucht. Onkel Edi sei hernach recht stolz gewesen auf die hervorragende Qualität der in Literflaschen eingekauften günstigen Weine, weist die Verwandtschaft auf die legendäre Sparsamkeit von Onkel Eduard hin. Vielleicht habe man vor lauter Arbeit auf das Leben vergessen, fragt sich Gattin Johanna jetzt in ihrer Trauer über ihren ziemlich plötzlich verstorbenen Mann. Seine eiserne Selbstdisziplin habe sich durch sein ganzes Leben gezogen und er habe diese auch von seiner Familie und den Mitarbeitern verlangt, wissen Kenner der Familie. Einer der größten Erfolge als Hotelier feierte Huemer, als sein Haus 2018 zum „besten Businesshotel Österreichs“ gewählt wurde. Die durch Corona geschlossenen Hotels belasteten auch Eduard Huemer enorm, sein Herz versagte völlig unerwartet.




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