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Dipl. Ing. Josef Anderl aus Linz (1928 - 2021): 40 Berufsjahre für den heimischen Wald

Aktualisiert: Feb 12

In einem Innviertler Forsthaus hat das Leben von Josef Anderl begonnen, letzte glückliche Stunden in seinem geliebten Wald erlebte er am „Bergleitenhof“ in der Mühlviertler Ortschaft Hacklbrunn in Sandl. Dazwischen spannt sich ein langes Leben für die oberösterreichische Forstwirtschaft, zuletzt als Leiter der Abteilung Forst- und Holzwirtschaft der Landwirtschaftskammer. „Wir haben knapp hintereinander studiert, aber auf Grund unserer Aufgaben teilten wir nicht immer unsere Ansichten“, erinnert sich Friedrich Schwarz, der frühere Landesforstdirektor, und weiter: „Bei Josef Anderl hat man aber immer gewusst, wie man dran ist, er war ein anerkannter Experte und ein angenehmer Partner“. Hermann Pramendorfer, ehemals Funktionär in dem von Anderl mitgegründeten „Bäuerlichen Waldbesitzerverband“, erwähnt eine herausstechende Eigenschaft im Leben des Josef Anderl: „Er kannte keine Standesdünkel, jeder war für ihn gleich viel wert und er präsentierte sich als unser Kollege. Hinter jedem Baum steht ein Bauer, das war seine Devise“, sagt Pramendorfer. Sein Einsatz für bäuerliche Waldbesitzer und die Stärkung ihrer Einkommensstruktur wurde unter anderem durch den Karl-Abetz-Preis der Universität Freiburg im Breisgau und durch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich gewürdigt. Der Forst wurde Josef Anderl von seinem Vater quasi in die Wiege gelegt. Er arbeitete als Revierförster der Castellschen Forstverwaltung, Sohn Josef wuchs bis zum Tod seines Onkels 1935 im Forsthaus Holzöster auf. Danach übernahmen seine Eltern dessen Gemischtwarenhandlung in Maria Schmolln. Nach der Volksschule besuchte Josef die Klosterschule Marienthal im bayrischen Simbach, musste sie aber vorzeitig verlassen, weil er im Jänner 1945 zum Reicharbeitsdienst nach Rainbach bei Freistadt einberufen wurde. Nach der Einberufung in die Wehrmacht im April 1945 löste sich seine Einheit bereits im Mai wieder unkontrolliert auf, worauf er sich in einem gefährlichen Fußmarsch auf den Weg nach Maria Schmolln machte. Mit den damals dort ansässigen Franziskanern eng verbunden, ermöglichten ihm die Patres den Besuch des Salzburger Realgymnasiums, das er drei Jahre später mit der Matura abschließen konnte. Das anschließende Studium der Bodenkultur in Wien absolvierte er bis 1952. Auf der Landwirtschaftskammer, wo er beruflich Fuß fasste, lernte er seine spätere Frau Marianne kennen, beide arbeiteten unter demselben Chef. Hochzeit gefeiert wurde in Maria Schmolln, beide blicken auf eine 64-jährige Ehe zurück, der drei Söhne, Thomas, Bernhard und Michael, sowie fünf Enkel entstammen. „Ich habe ihn als ehrlichen, geraden Mann mit Handschlagqualität kennengelernt, der als Innviertler im Mühlviertel heimisch geworden ist“, sagt Schwiegertochter Elisabeth. Deren Bruder Klemens, derzeit Dechant im Dekanat Freistadt und ausgebildeter Förster, nahm die Beisetzung von Josef Anderl vor. Er hat ihn als „positiv, lebendig und sehr gewandt erlebt“. Nach seinen Hobbys gefragt, erwähnt Gattin Marianne das Fotografieren, aber auch das Reisen: „Wir haben gemeinsam die ganze Ostsee umrundet“, schwärmt sie von einer ihrer schönsten Fahrten im Wohnmobil. „Es musste für meinen Mann immer irgendetwas mit Wald sein“. Seit 1970 investierte die gesamte Familie viel Zeit in den alten Bauernhof in Hacklbrunn, wo immer viel zu restaurieren und im Wald zu arbeiten war. Nach einem schweren Unfall im elterlichen Wald in Maria Schmolln widerfuhr Anderl auch ein spektakulärer Unfall auf dem Bergleitenhof in Sandl, beide Male rappelte er sich mit Hilfe seiner Frau und viel eigener Energie wieder auf. Ein letzter Sturz in seiner Linzer Wohnung war dann doch zu viel. Josef Anderls Herz versagte im 93. Lebensjahr.



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