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DI Gerhard Ritzberger aus Kirchberg-Thening (1924 - 2021): Bauer mit landesweitem Einfluss

Es waren schon zwei Kilometer, die der kleine Gerhard vom Minichmayrhof jeden Tag zu Fuß marschieren musste, um am Bahnhof Hörsching in den Zug steigen zu können, der ihn ins Gymnasium nach Linz brachte. Aber diese Schule besuchen zu dürfen, war dem begabten Burschen wichtig, 1942 legte er die Matura ab. Statt des Studiums rief ihn sofort danach der Krieg. In Italien wurde Ritzberger zweimal durch Brandbomben verwundet, Wunden im Gesicht zeugten lange davon. Als Leutnant rüstete der junge Soldat ab und er vertiefte sich von da an mit aller Energie in die Bodenkultur. Vier Studienjahre in Wien reichten ihm dabei nicht. Als frischgebackener Diplomingenieur nahm er weiterführende Studien in den USA auf. Die Universität von Oklahoma wurde sein zweites Zuhause. Praktika in Kanada und Südamerika prädestinierten ihn nach seiner Heimkehr zu mehr, als den allerdings stattlichen elterlichen Hof zu übernehmen. Gerhard wurde zum „Minichmayr“, wie der Hof heißt, den Diplomingenieur stellte er seinem Nachnamen aber stets und mit allem Recht gerne voran. Gleich nach seiner Heimkehr aus Amerika übernahm Ritzberger den Bauernbund seiner Heimatgemeinde, dessen Bezirksobmann und Vorstand auf Landesebene er später werden sollte. Als deklarierter Bauernvertreter machte er ab 1961 im Oberösterreichischen Landtag auf sich aufmerksam: Seine Reden unterschieden sich von vielen bisher gehaltenen. Da stand plötzlich jemand am Pult, der es verstand, pointiert und deutlich Positionen zu beziehen und Haltungen zu verteidigen. Fast ein Vierteljahrhundert gehörte Ritzberger zum ÖVP-Klub im Landtag, 1985 war Schluss damit. Zur politischen Seite des Gerhard Ritzberger gehört natürlich sein weiteres Engagement für Kirchberg-Thening als Gemeinderat und Fraktionsführer. Unverzichtbar für Gerhard Ritzberger war seine Familie. Gattin Therese heiratete er 1959, drei Kinder füllten bald das Haus. Dass Gerhard so viel unterwegs sein konnte, sei weniger ihr als „unserem tüchtigen Traktorführer“ zuzuschreiben, der frühmorgens vom Chef die Arbeitsaufträge entgegennahm. Glücklich war die Familie, wenn der Vater ins Auto stieg und er alle mitsammen nach Grado brachte, dorthin, wo Gerhard schon mit seiner Mutter manchmal gefahren war. „Manchmal waren wir zweimal im Jahr unten, später auch ohne Kinder“, schwärmt Gattin Therese von der stets ungezwungenen Zeit an der Adria. Ihr Gerhard war ja bekannt als vollendeter Genießer und vor allem auch als Spezialist für gute Weine. Wieder daheim, hatte sich Gerhard Ritzberger in vielfältigen hohen Funktionen um Bankgeschäfte zu kümmern. Nach Jahren im genossenschaftlichen Bereich der Rüben- und Fleischbauern wurde er 1974 Obmann der damaligen Raiffeisen-Zentralkasse, eng verbunden mit dem damaligen Generaldirektor Winfried Kern. Doch auch unter dessen Nachfolger Ludwig Scharinger verstand sich Ritzberger zur Verwunderung mancher Beobachter zu behaupten. „Seine Sitzungsführung war souverän“, erinnert sich der damalige Vorstandsdirektor Hans Schilcher. „Ritzberger stand immer über den Dingen und war sehr ausgleichend. Bei so manchen hitzigen Gefechten erwies er sich als Fels in der Brandung“. Dass man mit Ritzberger immer wieder auch herzlich lachen konnte, bringt Max Glaser, einst Genossenschaftsanwalt ein, was er auf die exzellente Formulierkunst zurückführt, die Ritzberger schlagfertig einzusetzen wusste. „Er war damit aber nie beleidigend, brachte die Dinge aber oft auf den Punkt“. Den „trockenen Witz“ vermisst auch Rechtsanwalt Gerhard Wildmoser, er hält seinen Freund, mit dem er gerne einmal im Gasthaus beisammensaß, für „großartig, gerade, gescheit und zuverlässig. Wir kennen uns schon lang, haben uns vom ersten Tag an gut verstanden, weil wir uns nie angeschwanert haben“. Jakob Auer, der spätere Raiffeisen-Obmann findet, dass damals „wenige Agrarpolitiker ihrer Zeit so weit voraus“ waren wie Ritzberger. Christoph Leitl, der EU-Kammerpräsident, schließt das Kaleidoskop ab: „Der Gerhard war einer der Feinsten. Er hat sich mit Tatkraft und Verstand für das Land eingesetzt und brachte seinen weltweiten Blick nutzbringend zur Geltung.“ Die letzten Jahre verbrachte Ritzberger in voller Frische auf seinem Hof. Er genoss es weiter, viel zu lesen. Fit hielt er sich durch regelmäßige Besuche im Fitnessstudio und durch seine barfüßigen Spaziergänge über die Felder und Wiesen. Der Tod seines Sohnes vor eineinhalb Jahren setzte ihm und seiner Frau schwer zu. Trost fand er in seinen vier Enkeln und zwei Urenkeln. Sein Leben fand im Schlaf ein friedliches Ende.




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