Suche
  • bert brandstetter

Dr. Christa Schirl-Hager aus Wels (1962 - 2020): Powerfrau nicht nur in der Schuldnerberatung

Aktualisiert: Juli 16


Ein hartnäckiges Rückenleiden hat das Leben einer ganzen Familie nachhaltig verändert. Erst heuer ließ sich Christa Schirl-Hager deswegen operieren. Der Eingriff schien gelungen, wenig später kam aber nach weiteren Untersuchungen die niederschmetternde Diagnose: Krebs an der Bauchspeicheldrüse. „Ich habe ein Prozent Heilungschance, das bin ich selbst“, sagte Christa zu allen, die um sie wussten: Ihrer Familie mit Tochter Anna und ihrem Lebensgefährten Gerold. Beruflich erfüllte sie ihre Aufgaben wie bisher, solange es ging. Aus Wels stammend besuchte sie dort das Schauer-Gymnasium, studierte Jus in Linz und machte in Salzburg das Doktorat. In einer Bank startete sie ihren ersten Job. Beinahe daneben gebar sie in der Zeit ihre Tochter Anna, bevor sie mit ihrem damaligen Mann nach Oberösterreich zurückkehrte und bei der Schuldnerberatung anheuerte. Christa Schirl-Hager konnte schon damals viele Dinge nebeneinander erledigen, und das alles zur vollsten Zufriedenheit: Studium, Mutterschaft, Partnerschaft, Job. Es ist nicht verwunderlich, dass sie diese Fähigkeit noch weiter ausbaute. Ab 1993 war sie alleinerziehende Mutter, weil die Ehe auseinanderbrach. „Unser Verhältnis war schon immer sehr stark, ich habe meine Mutter als selbstbewusst und stark erlebt“, erzählt Anna Taferl, die Christa mit Charlotte vor eineinhalb Jahren zum ersten Mal zur Oma gemacht hat. Christa Schirl-Hager kümmerte sich mit aller Kraft um die Anliegen der Schuldnerberatung und war zuständig für die Stadt Wels: „Sie war in Wels das Gesicht der Schuldnerberatung“, sagt Thomas Berghuber, der Geschäftsführer der Organisation in Oberösterreich. „Christa war extrem belastbar und zu sich selbst sehr streng. Sie konnte, wenn es sein musste, aber auch anschaffen“. Eine ihrer großen Leistungen war die Bewältigung der ISO-Zertifizierung im Betrieb. Berghuber nennt Christa Schirl-Hager aber auch „herzensgebildet“. Das bezieht sich auf ihre außerberuflichen Fertigkeiten: fünf Sprachen in Wort und Schrift, vier Musikinstrumente. „Sie hatte ein enormes Allgemeinwissen und hätte jedes Wissensquiz gewonnen“, freut sich ihr Lebenspartner Gerold Steiner über die Maßen. Zugleich erlebte er sie sehr gesellschafts- und politkritisch. Gemeinsame Reisen der Beiden standen aus ihrer beider Leidenschaft unter dem Zeichen der Kunst, aber nicht nur: Christa liebte und verstand es auch zu kochen. „Wir haben beide einen Thai-Kochkurs besucht und standen gerne miteinander am Herd“. Freude macht ihm und ihrer Familie ein Kochbuch, das Christa aus allen Rezepten, die ihr zusprachen, erstellt hat. Gerold war ihr letzter Mann. Vor ihm musste sie miterleben, wie ihr zweiter Ehemann vor zwei Jahren einen Sekundenherztod erlitt. Aber Christa erwies sich, wie alle ihre Angehörigen feststellen mussten, einmal mehr als „Stehaufweibchen“. Sie ließ sich nicht unterkriegen und sagte wieder „Ja zum Leben“. Selbst nach ihrer schrecklichen Diagnose entsprach sie dieser Bewertung. Hoffnung machte ihr in besonderer Weise Enkelin Charlotte und ganz zuletzt der Umstand, dass ihre Tochter Anna in wenigen Wochen ein zweites Kind bekommen wird. „Nur Mama wusste den Namen des Kindes“, sagt die hochschwangere Tochter. Als Christa Schirl-Hager nach mehreren Chemotherapien erfuhr, dass jetzt keine weitere mehr möglich sei, lehnte sie andere Behandlungen ebenfalls ab. Nur schmerzfrei wollte sie sein. „Als sie gestorben ist, waren wir alle bei ihr, sogar die kleine Charlotte war dabei“, sagt Tochter Anna dankbar. In der Zeit des coronabedingten Lockdowns sei es ohnedies schwer genug gewesen, die Palliativstation in Wels zu meiden.




434 Ansichten

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com