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Brigitte Czapek aus Rohrbach-Berg (1962 - 2020): Ein Riesenherz für die Gemeinschaft

„Mit dieser Frau lässt sich gut an einem Strang ziehen“, dachte sich Christian Czapek, als er die 19-jährige Brigitte kennen gelernt hat. „Es war die Almbar in Aigen bei einer Tanzerei“, weiß er noch genau, weil dort beide gespürt haben, dass sie das Leben fortan gemeinsam gehen werden. Fünf Brüder haben damals auf Brigitte Lindorfer aufgepasst, sie war die Zweite in der Geschwisterreihe und hat von klein auf mitbekommen, dass es gerade in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen auf das Zusammenhalten ankommt. Diese Eigenschaft hat ihr ganzes Leben bestimmt. Nach der Handelsschule arbeitete Brigitte in der Molkerei Rohrbach, dann als Kassenprüferin der CA in Linz. In den 90-er Jahren kamen nach der Hochzeit ihre Söhne Aron und David zur Welt. „A, B, C, D für Aron, Brigitte, Christian und David, das zeigt die Überlegtheit meiner Frau“, sagt Christian, mit dem gemeinsam sie 1997 das Haus am Erlenweg errichtet hat. Beruflich landete sie nach der Zeit der intensiven Kinderbetreuung genau in ihrem Fahrwasser. In der Rohrbacher Volksschule betreute sie Kinder, die sich schwertaten oder Behinderungen mit sich trugen. „Brigitte war immer optimistisch, konnte unglaublich motivieren, sie war voller Leben, hat Gesellschaften genossen und nie gejammert, auch nicht, als es ihr schon schlecht ging. Ihr war keine Arbeit zu schlecht und hatte ein Riesenherz für benachteiligte Kinder“, sagt Johannes Kobler, einer ihrer damaligen Kollegen. Diese berufliche Haltung machte Brigitte Czapek auch in der Freizeit geltend. Sie engagierte sich bei den Pfadfindern, organisierte eine Walking-Gruppe und vor allem: sie war begeistertes Mitglied der „Golden Girls“. So nannten sich die sieben Frauen, die immer wieder gemeinsam in Cafes anzutreffen waren und dort nach Herzenslust feierten. „Wir machen das schon seit Jahrzehnten so“, erinnert sich Mitzi Gierlinger aus Sarleinsbach: „Gitti plante für uns aber immer wieder auch mehrtägige Ausflüge, wo wir unsere Freundschaft pflegen konnten. Ich muss sagen, die Gitti geht uns schon jetzt furchtbar ab“. Um Gemeinschaft zu erleben, was Brigitte Czapek so wichtig war, brauchte sie nicht allzu weit fortgehen. Auf einer Hausbank am Erlenweg gibt es immer wieder das „Sunnbänk-Treffen“. Nachbarn setzen sich dort einfach zusammen, bis die Sonne untergeht. So wuchs die Freundschaft unter den Nachbarn, „sogar an Gittis Sterbebett waren alle einmal versammelt“, erzählt ihr Mann gerührt. Gerne erinnert er sich an seine Reisen mit ihr: zweimal Kurdistan und sechsmal auf einem Segelschiff in der Adria: Diese Erlebnisse bleiben und können nicht verblassen. Alle Geburtstage feiern, das war eines der Prinzipien von Brigitte Czapek, „bei unserer großen Verwandtschaft kamen dann schon etliche Leute zusammen“, sagt ihr Bruder Andreas Lindorfer, der Bürgermeister von Rohrbach-Berg. „Noch am Sterbebett hat sie verlangt, dass wir den 86. Geburtstag unserer Mama auf jeden Fall feiern, was wir auch tun werden“. Vor knapp 5 Jahren erhielt sie die Diagnose Magenkrebs. Wenige Lebensmonate waren ihr vorhergesagt, sie hielt aber durch. Trotz 140 Chemotherapien. „Unbedingt wollte sie den Studienabschluss ihrer beiden Buben erleben und sie schaffte es: David spondierte zum Medizintechniker, Aron hat sein Medizinstudium abgeschlossen, nur die Promotion hat sie nicht mehr erwartet“, bedauert Gatte Christian. Seine „Fee“, wie er Gitti nannte, wollte mit ihrer Krankheit niemanden belasten und sprach nicht darüber. Während der Intensivphase von Corona stand er vor dem Krankenhaus in Linz, blickte hinauf zu ihrem Zimmer im 4. Stock und hielt so telefonierend den Kontakt. „Dann durfte sie zum Sterben nach Hause und wir waren zum Glück bei ihr, als sie gegangen ist“.




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