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  • bert brandstetter

Barbara Barthou aus Wels (1956 - 2020): Maturaball mit lebenslangen Folgen

Alles war auf Schiene im Leben der jungen Barbara Schaden, als sie sich für den Maturaball am Rieder Gymnasium zurecht machte. Als Tochter des dortigen Latein- und Griechisch Professors Ludwig Schaden schien ihr klar zu sein, neben Geschichte ebenfalls diese Fächer zu studieren, immerhin: Schon der Opa und der um einige Jahre ältere Bruder hatten als Altphilologen ihren Weg gefunden und gemacht, bis sie am Maturaball ein fescher, junger Leutnant in seiner strahlend weißen Uniform um einen Tanz bat. Dieser Tanz sollte ihr Leben verändern. 1974 heiratete sie Alexander Barthou aus einer Familie mit langer militärischer Tradition: „Mein Großvater diente dem Kaiser, mein Vater war Wehrmachtsoffizier und ich war Offizier der Republik“, beschreibt Alexander seinen Stammbaum. Als Barbara 1975 Mutter der Zwillinge Michael und Peter wurde, beschloss sie endgültig, ihre universitären Pläne zu begraben. Ob ihr das schwerfiel, war nie zu erfahren, „es kam nie eine Klage über ihre Lippen“, sagt ihr Mann Alexander. Umso lieber stand sie bei offiziellen Terminen an seiner Seite, die sich beim Militär bieten. Als Höhepunkt ist ein Garnisonsball zu erwähnen, wo sie mit dem General den Eröffnungstanz absolvieren durfte. „Als hochgebildete Frau mit festen Grundsätzen“ beschreibt sie General Christian Segur-Cabanac, der einst die Garnison Wels kommandiert hat und von der Familie Barthou „sehr liebevoll aufgenommen und in das Welser Gesellschaftsleben eingeführt wurde“, wie er sagt. Unter anderem hatten es dem hohen Soldaten die Kochkünste von Barbara Barthou angetan, die ihren Gast gut und gerne mit oberösterreichischen Schmankerln verwöhnte. Ganz brauchte Barbara auf ihre archäologischen Interessen nicht zu verzichten. Mit ihrem Mann unternahm sie zahlreiche Fernreisen nach Mittelamerika oder in den Nahen Osten. Einmal, während Alexander in Syrien Friedensdienst leistete, nutzte sie einen Besuch für die Besichtigung vieler Grabungsstätten. Von der Heimat aus verfolgte sie einen Einsatz ihres Gatten als Pressechef während des Albanienkrieges. „Sie hat sich nie Sorgen um mich gemacht“, sagt Alexander, der den starken Glauben seiner Frau als Grund dafür vermutet. Sehr gelassen nahm sie auch zur Kenntnis, dass beide Söhne ihren Platz beim Militär gefunden haben. Beide tragen den Titel Oberst, Peter dient als Militärattache auf Zypern, Michael leitet die Zeitschrift Truppendienst als Chefredakteur. Das durch den Weggang der Söhne leer gewordene Haus belebten die Hunde Max und Alf nacheinander. So ganz ausgelastet war Barbara dadurch aber nicht, sodass sie sich zur weit gefragten Spezialistin für medizinische Fragen weiterbildete. Nicht bloß einmal wurde ihr die Frage gestellt, ob sie etwa Ärztin sei, so professionell wurden ihre Tipps aufgenommen. Für ihre eigene Gesundheit wusste sie freilich keinen guten Rat. Schon vor fünf Jahren erkrankte sie lebensbedrohlich, sie konnte aber noch einmal gerettet werden. Als sich die Krankheit neuerlich ankündigte, erlebte sie im August noch die Hochzeit ihres Sohnes Michael am selben Tag, an dem sie selbst vor 46 Jahren noch dazu in derselben Kirche geheiratet hatte. Die folgende Zeit ertrug sie tapfer und geduldig bis zu ihrem Tod. Ihr Sarg und das Grab strahlen in hellem Gelb, in jener Farbe, die ihr ganzes Leben als „ihre Farbe“ durchzogen hat.



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