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Augustine Destalles aus Linz (1936 - 2020): Fleiß und Pflichterfüllung in Person

Arbeit, Verzicht und Sparsamkeit kennzeichnen das Leben von Augustine Zeppezauer, die sogar ihren Vornamen mit dem ihres Vaters August teilen musste. Dessen Beziehung zur Mutter der kleinen Augustine zerbrach in Linz, das kleine Mädchen kam zu einer Tante in die Schweiz, weil der Papa in den Krieg einrücken musste. Erst später lernte sie bei einem weiteren Umzug nach Bad Ischl ihre Großmutter und in Hallstatt eine weitere Tante kennen. Bis Augustine in einer richtigen Familie leben konnte, musste sie bis zum Kriegsende warten, nach dem ihr Vater eine neue Frau heiratete. „Ab dann konnte sich meine Mutter erstmals richtig geborgen fühlen“, sagt Tochter Andrea. Zugleich wuchs sie mit der Tätigkeit ihrer Eltern aber in die harte Arbeitswelt hinein. Vater August und seine Frau betrieben auf dem Kopfende des Linzer Hauptplatzes in einem Würstelstand das „Buffet Helga“, zugleich einen weiteren Würstelstand auf dem Südbahnhof. Immer mit dabei war Augustine, die nebenher die Schulpflicht absolvierte und im Kaufhaus „Kraus & Schober“ die kaufmännische Lehre absolvierte. „Schon damals erledigte sie für ihre Mutter die Buchhaltung, oft stand sie aber auch an der Budel“, sagt Andrea. Irgendwann einmal lernte sie den Mechaniker Johannes Destalles kennen und machte sich 1960 mit ihm selbständig. In der Lenaustraße betrieb das Paar eine Agip-Tankstelle, ein KfZ-Betrieb wurde dazu gebaut. Gehandelt wurden Fahrzeuge der Marken NSU und Audi. Gerade noch war 1961 Zeit für die Hochzeit und für die Geburt der Tochter Andrea, alle übrige Zeit floss in den Betrieb, der aber äußerst erfolgreich florierte. Später, als Destalles nur noch für den Namen Ford stand und bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigte, gewannen Johann und Augustine fast jährlich eine große Reise in alle Welt als Bonus für besonders erfolgreiche Verkäufe. Nur: Zeit für private Erholung gönnte sich das Paar kaum, außerdem galt es ja immer noch, die Buchhaltung für die Würstelstände der Mutter zu führen. 2001 ging Augustine mit ihrem Johann in Pension, die Firma wurde verkauft und Augustine konnte endlich Freunde einladen und bekochen. Ihr Haus am Froschberg stand immer offen für viele Gäste. Unverrückbarer sommerlicher Fixpunkt waren für die ganze Familie die Seefestspiele in Mörbisch und St. Margarethen mit mehreren Tagen Aufenthalt, aber auch dort fand Augustine nie die gewünschte Lockerheit. Immer sprach sie von der Arbeit, weil auch einige ihrer Mietshäuser zu betreuen waren, erinnert sich Tochter Andrea. Arbeitsaufträge erhielt sie mit ihrem Sohn Alexander auch an normalen Sonntagen beim traditionellen Mittagessen auf der Sportalm in Kirchschlag. Andrea ist ihr nicht gram deswegen, „Mutter stammt aus der Aufbau-Generation, die nach dem Krieg nur die Arbeit und den Verzicht kannte. Vielleicht, so Tochter Andrea, lasse sich die manchmal etwas forsche Art ihrer Mutter auch damit erklären, dass ihr Ur-Ur-Uropa Johann August Sutter im kalifornischen Goldrausch unendlich reich geworden, dann aber enteignet worden war. Luis Trenker hat seinem Schicksal 1936 den preisgekrönten Film „Der Kaiser von Kalifornien“ als Regisseur und Hauptdarsteller gewidmet. Augustines Großmutter führte mit dem Staat noch Prozesse wegen der Enteignung, leider ohne Erfolg. Sich selbst mehr zu gönnen wäre ihr Wunsch für ihre Mutter gewesen, sagt Andrea. Und vielleicht etwas weniger auf das Wohl der anderen geachtet zu haben.




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