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Anna Achhorner aus Neumarkt i.M. (1925 - 2019): Aufopferndes Leben für die Nachbarsfamilie

Aktualisiert: 22. Dez 2019

Es war unendlich mehr als der riesige ausgezogene Apfelstrudel, der Alt und Jung zusammenlaufen ließ, um ein Stück davon zu ergattern. Anni war eine Meisterin der Küche und der Apfelstrudel nur eines von vielen Gerichten, die Robert Spendlingwimmer das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. „Was immer Anni kochte, es war meisterlich“, erinnert er sich. Dabei war Anni gar nicht seine Mutter, aber sie war halt da, während seine Mutter ihren Mann im Baumeisterbüro unterstützte. Zur Anni konnte er genauso wie seine vier Geschwister kommen, wenn es wo zwickte. Und das auch noch, als sie längst in Pension war. Anna Achhorner ist ein Stück Neumarkt. Aufgewachsen in einem kleinen Häuschen am Hagerweg, das ihr Vater, ein sehr begabter, aber weitgehend mittelloser Steinmetz errichtet hatte. Drei Kinder wuchsen dort auf und deren Mutter war froh, dass Anni in der benachbarten Baumeister-Familie Spendlingwimmer eine Stelle bekam. 13 Jahre war sie alt, als sie den Posten antrat. Vormittags ging sie noch zur Schule, am Nachmittag half sie bereits im Haushalt. Obwohl Anni fleißig und erfolgreich lernte, war an einen weiteren Schulbesuch nicht zu denken. Erst später ermöglichte ihr ihre Dienstgeberin den Besuch der Haushaltungsschule. Anni war zu dem Zeitpunkt bereits voll in die neue Familie integriert, es war Krieg und sie mit dabei, als die Familie das Haus den Russen überlassen und selbst in einem Bauernhaus Unterschlupf finden mussten. Der Hausherr war eingerückt, die Hausfrau alleine überfordert mit den vielen Kindern: einen Gutteil der Last trug bereits Anni Achhorner. Ganz selbstverständlich blieb Anni nach dem Krieg bei den Baumeisters und sie wurde auch den jüngeren beiden Kindern zur Ersatz-Mutter. Manche Neumarkter, die Anni natürlich kannten, meinten nicht ganz zu Unrecht, sie würde zur Familie Spendlingwimmer gehören, weil sie dort ja auch wohnte und von vielen bloß „Baumeister-Annerl genannt wurde. Annerl machte nie viel Aufsehens um sich, aber sie machte auf sich aufmerksam, wenn sie gerufen wurde: so zum Beispiel von den Kaplänen der 1950-er und 1960-er Jahre, die viel Wert auf die Aufführung von großen Theaterstücken legten. Anni Achhorner war mit von der Partie, „sie spielt mit mir gar manche Hauptrolle“, sagt der ehemalige Glasermeister Josef Gstöttenbauer: „am besten war sie als Gattin von Klaus von der Flüe“. Anni sei ein äußerst begabtes Spieltalent mit einem exzellenten Textgedächtnis gewesen. Eine eigene Familie hat sich für Anni nicht ergeben, auch wenn sie einst von einem russischen Offizier sehr verehrt worden sei. Der Mann blieb erfolglos, Anni hatte bereits ihre Familie. Was immer sich bei dieser sehr kreativen Familie tat, das geschah nicht ohne ihr Wissen und oft auch nicht ohne ihren Ratschlag. Ihre ganz persönliche Freude war der Garten, wo sie auf der Hausbank sitzend gerne eine Katze streichelte. Gerne nahm sie auch an Veranstaltungen teil, am liebsten mit ihrer Nachbarin. Nach ihrer Pensionierung zog sie sich nicht zurück von „ihrer“ Familie, aber doch wieder in ihr benachbartes Elternhaus, um ihre betagte Mutter zu pflegen. Nach deren Tod war es ihre frühere Chefin, die ihre Pflege brauchte und wieder verging kein Tag, an dem Annerl nicht schnell zu den Spendlingwimmers geschaut hätte, wo bereits die fünfte Generation am Ruder ist. Anni kannte und liebte sie alle, genauso wie die Nichten, Neffen und deren Kinder. Wie sehr ihre Wertschätzung reicht, zeigt der Umstand, dass Roland, einer „ihrer“ Buben, für das Begräbnis extra aus Costa Rica angereist ist.




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