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  • bert brandstetter

Andreas Bacher (1932 - 2019) Ein ganzes Leben auf der Donau

Jahrzehntelang war sein Arbeitsplatz auf der Donau. Als er um die 60 in den Ruhestand trat, konnte oder wollte er den Fluss nicht mehr sehen. „Vielleicht, weil er gar so gern Kapitän war, wollte er den vorbei ziehenden Schiffen nicht mehr zuschauen,“ vermutet seine Witwe Helga. Andreas Bacher war Kärntner aus Zweinitz im Gurktal. Aufgewachsen ist er in einem äußerst bescheidenen Elternhaus neben 16 Geschwistern. „Viel mehr als eine Ziege haben sie nicht gehabt“, weiß Gattin Helga aus der Jugend ihres Mannes, der eigentlich Tischler werden wollte. Kaum ausgelernt, bot sich ihm aber kein Arbeitsplatz an, sodass er auf ein Inserat der damaligen DDSG reagierte, das er auf dem Bahnhof von Gurk gesehen hatte. Tatsächlich wurde er mit 24 von der DDSG in Wien als Schiffsjunge in den Dienst gestellt. Das Wasser wurde damit zu seinem Lebenselement und die Donau zu seinem Arbeitsplatz. Als er ein Jahr später mit der „Franz Schubert“ in Linz ankerte, lernte er zufällig seine spätere Frau kennen, mit der er fünf Kinder bekommen sollte. „63 Jahre waren wir beisammen, aber natürlich war er kaum einmal zu Hause.“ Nur einmal konnte Helga Bacher samt den Kindern ihren Mann, der sich inzwischen zum Kapitän hochgearbeitet hatte, auf dem Schiff begleiten, als die Reise nach Regensburg ging. Ansonsten musste sie den Haushalt weitgehend alleine schaukeln. Dramatische Situationen erlebte Andreas Bacher in Russland, der heutigen Ukraine am Schwarzen Meer. 1978 verlor er bei einem Entladevorgang vier Finger der rechten Hand. „Mein Mann konnte dank der späteren guten Versorgung im Linzer UKH nachher wieder als Kapitän auf der Donau arbeiten,“ sagt Helga. Dass Bacher ein sehr beliebter Kollege war, bestätigt auch Otto Steindl, ein weitum bekannter ehemaliger Donaukapitän. Gemeinsam mit anderen Berufskollegen war Bacher ein gern gesehener Gast bei den monatlichen Kapitänstreffen in Linz oder deren jeweils legendärer Weihnachtsfeier. Nur in den letzten Jahren konnte Bacher aufgrund diverser Erkrankungen nicht mehr daran teilnehmen. Auch seine für ihn so wichtigen Gasthausbesuche mit dem Stammtisch in Kleinmünchen musste er nach und nach bleiben lassen. „Urlaub hat er nie gekannt,“ sagt Witwe Helga, die ihn in den letzten 15 Jahren aufopfernd pflegte. „Er war zufrieden mit dem Stock- und Asphaltschießen oder mit dem Kartenspielen und einem guten Krügerl Bier.“ Mit ihr und den fünf Kindern trauern fünf Enkerl und drei Urenkerl um Andreas Bacher.


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