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  • bert brandstetter

Alois Sulzer aus Leonding (1942 - 2020): Der Charmeur hinter der ORF-Kamera

„Geh, schenk mir doch ein Lächeln“, ermunterte Kameramann Alois Sulzer eines der vielen Friedenslichtkinder, die für den ORF vor Weihnachten das Licht aus Bethlehem zu holen hatten. Gisela Schreiner als begleitende Redakteurin wusste um die nervöse Anspannung des kleinen Mädchens, das dann aber das denkbar freundlichste Lächeln zeigte. Alois Sulzer war eine Art Herzensbrecher, wenn es um die schönsten Bilder für seine Filme ging. Die Darsteller vergaßen die Kamera, weil Alois Sulzer hinter dem Gerät so väterlich freundlich oder auch wieder verschmitzt war. Er galt als Urgestein des ORF Oberösterreich und war schon mit von der Partie, als der ORF noch am Linzer Brückenkopfgebäude beheimatet war. Tageweise ließ sich Sulzer damals engagieren, weil ihn das Medium Film schon immer interessiert hat. Im Hauptberuf war er nach seiner KFZ-Mechanikerlehre Pannenfahrer des ÖAMTC. Das „Gasthaus zur Westbrücke“ seiner Eltern in der Linzer Unionstraße hat ihn weniger interessiert. 1967 wurde Sulzer vom ORF fix übernommen. Die von ihm gedrehten Filmrollen hatte er mit dem Auto möglichst rasch nach Wien zu bringen. Dort lernte er die Größen des Fernsehgeschäfts kennen und wurde bald eingeladen, mit ihnen Dokumentationen aus allen Erdteilen zu drehen. Sein Standbein blieb dennoch Linz, wo es die regionale Fernsehberichterstattung aufzubauen galt. Alois Sulzer gilt als Pionier in diesem Bereich. Mit Franz Rohrhofer, dem damaligen Chefredakteur, gestaltete er das allererste Österreichbild am Sonntag. „Wir begleiteten dabei einen Pendler die ganze Schicht lang“, erinnert sich Rohrhofer, der in Sulzer einen genialen Partner hatte. „Wenn Alois wusste, worum es in der Geschichte gehen soll, war er sehr kreativ in der Umsetzung“. Hannes Leopoldseder bescheinigt Sulzer ebenfalls hohe Kompetenz in seinem Geschäft, „bei allen Drehs wollte er inhaltlich mitreden, was dem Ergebnis immer guttat“. Manche Redakteure taten sich damit schwer, was immer wieder auch zu Konflikten führte. Sulzers Privatleben war bestimmt von Elfi, seiner Frau, mit der er bereits sechs Jahre zusammen war, bis nach Erreichen der Großjährigkeit die Hochzeit erlaubt war. „62 Jahre haben wir zusammen verbracht, demnächst wäre unser 56. Hochzeitstag gewesen“, sagt sie. Alice und Andreas sind ihre beiden Kinder, die ihrerseits auch bereits wieder je 2 Kinder haben. Ein weiterer Teil des Lebens von Alois Sulzer ist vom Segeln auf dem Meer bestimmt. „Festina Lente“ nannte er den Zweimaster, den er sich vor 30 Jahren gekauft hat, ein beachtliches Schiff mit 8 Schlafplätzen. „Darauf verbrachten wir die schönsten Jahre“, schwärmt Elfi von all den Urlauben mit Freunden und Kollegen, mit denen Alois als Skipper die schönsten Buchten des Mittelmeeres ansteuerte: „Alois kannte die originellsten Plätze, die besten Restaurants und war wegen seiner freundlichen Art überall herzlich willkommen“. Hubert Potyka, ehemals Sportchef der OÖN, war einer dieser Freunde, er attestiert Alois, ein sensationeller Segler gewesen zu sein. Trotz oder wegen mancher Stürme, die es zu durchstehen galt, habe man sich bei Alois „immer sicher gefühlt“. Wahrscheinlich war es wiederum seine schier unendliche Gelassenheit, die jede Unsicherheit im Keim erstickte. Äußeres Zeichen seiner inneren Ruhe war die Zigarre, ohne die er viele Jahre selten anzutreffen war. Jede freie Zeit investierte Sulzer in seine Segelleidenschaft, er ließ sich zum Segellehrer ausbilden, gab Skipperkurse und nahm Segelprüfungen ab. Sein größtes Abenteuer war aber die Teilnahme und Mitorganisation der jährlichen 1000 Meilen Race. Mit Segelgrößen wie Bobby Schenk oder Kurt Ecker war Alois auf Du und Du.

2004 ging Sulzer als „Regieführender Programmgestalter“ des ORF in Pension, 2014 unternahm er seinen letzten Segelturn, weil mehrere stille Schlaganfälle sein Geh- und Sprechvermögen allmählich erlahmen ließen.



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