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  • bert brandstetter

Alois Ströbitzer (1934 - 2020): Der Herr "Kaplan" von St. Valentin

„Wo er dabei war, dort war es lustig“. Johann Zarl, der pensionierte Pfarrer von St. Valentin sprudelt geradezu vor freundlichen Beschreibungen, als die Rede auf Alois Ströbitzer kommt. Immerhin: „Der Alois war mein Kaplan. So habe ich ihn gern genannt, weil er für unsere Pfarre einfach unverzichtbar gewesen ist.“ Zarl nimmt dabei nicht nur auf Ströbitzers sonntägliche Tätigkeit als Zechpropst Bezug, sondern dass auf ihn auch darüber hinaus absolut Verlass war, wenn die Pfarre etwas gebraucht hat. Alois Ströbitzer packte an. Er war zur Stelle, wenn ein Pfarrfest vorzubereiten war, man sah ihn meist mit nacktem Oberkörper im LKW sitzen, um Bänke zu transportieren, er war aber auch regelmäßig zur Stelle, wenn die Freitagsrunde ihre Zusammenkunft hatte. Früher war damit gern ein Fußballspiel verbunden, unter anderem mit dem legendären OÖN-Sportchef Leo Strasser, der mit zu der Partie gehörte, wie der Pfarrer weiß. Die Freitagsrunde war ein Stammtisch. Einmal im Monat wurden 30 Euro kassiert, mit dem Geld wurden Reisen zu interessanten Brennpunkten in alle Welt finanziert. Auf diese Weise kam Ströbitzer mit seinen Kameraden nach Mexiko, Andalusien, Afrika oder Amerika. Dass er mit seiner Maria bei Reisen, die von der Pfarre organisiert wurden, fix dabei war, versteht sich beinahe von selbst. Um seine Maria zu finden, brauchte Alois nicht weit zu fahren. Sie stammt so wie er aus St. Valentin. Geheiratet wurde 1964, als Alois längst den väterlichen Betrieb übernommen hatte. 22 Jahre war er alt, als der Vater starb und Alois als gerade ausgelernter Müller das Sägewerk samt angeschlossener Landwirtschaft übernehmen musste. Vier Söhne und eine Tochter gingen aus der Ehe hervor, die Familie hat sich inzwischen um zahlreiche Schwiegerkinder und Enkel erweitert. Er war wohl mehr als zufrieden mit der Entwicklung seiner Kinder. „Dreingeredet hat er uns bei der Berufswahl nicht“, sagt Sohn Alois wohl stellvertretend für seine Geschwister. Alois beließ sein Dasein aber nicht mit der Funktion des Firmenchefs. Wo und wann immer es ging, ergänzte und bereicherte er sein Leben mit weiteren Engagements in seiner Gemeinde. So bildete er mit seiner Schwester Anna das denkbar eingeschworenste Team des Roten Kreuzes: Alois saß am Steuer, Anni war die Schwester. Auch die Feuerwehr musste auf Alois nicht verzichten, genauso wenig wie der Sportverein SC St. Valentin. Dort nahm der Lois eine eher passive, aber nicht minder präsente Rolle ein. Auf der Homapage des SC St. Valentin wird er als „einer der maßgeblichen Spielerväter und -großväter“ bezeichnet. Bei den Jagden war Alois ein gern gesehener und erfahrener Treiber. Das Sägewerk übergab Alois Ströbitzer bereits vor längerer Zeit an Sohn Hubert. Immer wieder drehte er aber seine Runden über das Firmengelände und ganz klar, er sprang ein und half aus, wenn es nötig war. Bis 80 setzte er sich noch in den LKW, am allerliebsten aber saß er mit Freunden bei einem Gläschen Most oder Wein und lobte dabei die Schönheit dieser Welt. Knapp hätte er sein Leben vor sechs Jahren bereits verloren, als er am Steuer einen Herzinfarkt erlitt und gerettet werden konnte. „Das waren jetzt noch wirklich schöne geschenkte Jahre für den Alois“, sagt Pfarrer Zarl. Alois wusste sie bestens zu nutzen, erst vor wenigen Wochen bereiste er mit der Pfarre die Zugspitze in Bayern.



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