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  • bert brandstetter

Alois Stöglehner aus Freistadt (1939 - 2021): Bestnote für den Fischerwirt

„Hab ichs gut gemacht?“ Diese Frage hörten viele Gäste der Fischerstube in Rainbach bei Freistadt immer und immer wieder, wenn der Chef mit dem Weinglas in der Hand von Tisch zu Tisch ging und damit weniger Lob für sich als für die hervorragende Küche erheischen wollte, in der seine Frau Sieglinde den Kochlöffel schwang. „Hab ichs gut gemacht?“ und schon kam eine kleine Plauderei in Gang. Alois Stöglehner war ein äußerst interessierter Wirt, der schon wissen wollte, woher denn seine Gäste kamen, wenn er sie nicht sowieso kannte. Mehr als 30 Jahre florierte die Fischerstube gleich neben der Rainbacher Bruckmühle, es war nie leicht, einen Tisch zu ergattern, wo die Fische aus den nebenan befindlichen Fischteichen zubereitet und serviert wurden. Zuvor hatten die Stöglehners ihre Fische an andere Wirte verkauft, doch die Zeit für regionale Qualität und überhaupt für Fische war damals noch nicht gekommen, weshalb sich das Ehepaar entschloss, die Sache selbst als Wirte in die Hand zu nehmen. Für Alois keine ganz leichte Entscheidung, war er doch von Beruf Lehrer an der Freistädter Hauptschule, wo er Mathematik und Biologie unterrichtete. Mit der ihm eigenen Umtriebigkeit schaffte er aber den Spagat. „Er blieb auch nach seinem Einstieg als Wirt mit Leib und Seele Lehrer“, sagt sein damaliger Kollege Gerhard Schmat. „Alois war ein Lehrer vom alten Schlag. Konsequent, streng und gerecht“. Gern erinnern sich Kollegen an die Gastfreundschaft von Lois, oft fanden ihre Konferenzen oben in der Fischerstube ihren Abschluss, viele begingen bei Lois auch ihre privaten Familienfeste. Besonders gute Freunde durften auch schon einmal einen Blick in die Küche werfen, wo die frisch gefangenen Forellen in der Pfanne brutzelten. Stolz zeigte Lois seinen Freunden auch die Fischteiche neben dem kleinen Restaurant. Schon immer an Fischen interessiert, hatte er als langjähriger Obmann des Reviers Freistadt unzähligen Jugendlichen das professionelle Fischen beigebracht. Dort, wo sich seine Fischteiche befinden, war Alois Stöglehner mit vier Geschwistern aufgewachsen. Es war keine leichte Zeit, denn als Alois fünf war, verunglückte sein Vater mit dem Pferdfuhrwerk tödlich. So gut es eben ging, führte seine Mutter die Mühle weiter, bis sie ihr Ältester mit 15 übernehmen konnte. Alois besuchte indes die Rainbacher Volksschule, über das Marianum kam er in das Freistädter Gymnasium. Nach der Matura war sieben Jahre das Finanzamt seine erste berufliche Wirkungsstätte. Doch der damals eklatante Lehrermangel ließ Alois überlegen, ob das nicht eine gute Chance für ihn wäre. Immerhin war Alois frisch verheiratet und dabei, in Freistadt ein Haus zu bauen. Ein Jahr lang pendelte er täglich zum Abiturientenkurs nach Linz und schon stand er als Volksschullehrer erstmals vor Schulkindern. Anschließende Kurse in Mathematik und Biologie ermöglichten ihm später den Überstieg in die Freistädter Hauptschule, an der er bis zur Pension 1999 tätig war. Obwohl seine Familie inzwischen um drei kleine Töchter angewachsen war, ließ sich Alois nicht von seinem fliegerischen Hobby abbringen, das er in jungen Jahren begonnen hatte. Liebend gerne setzte er sich in ein Segelflugzeug und zog damit seine Runden. Oder er packte seine Reisetasche und brach mit Freunden zu Besichtigung vieler Länder dieser Erde auf. „Es gab nichts, was unseren Vater nicht interessierte. Er mochte die Menschen, er mochte die Welt, er liebte die Musik, besonders die Operetten, er hatte ein Gespür für Technik“, sagt Tochter Petra, in der ihr Vater ähnliche Interessen zu wecken versuchte. Immer wieder brach bei Spaziergängen auch der Lehrer in ihm durch, etwa wenn er seine Töchter nach den Namen einzelner Bäume befragte. Später, als er bereits Opa war, ließ er sich bei Bedarf für seine Enkel gerne zur Mathematik-Nachhilfe heranziehen. Nach dem Ende der Fischerstube konzentrierte sich das Interesse der Stöglehners voll und ganz auf ihren Garten in Freistadt. Erst vor einem Jahr begannen die Kräfte von Alois nachzulassen. Seine Frau Sieglinde betreute ihn bis zu seinem Tod. „Du hast es gut gemacht“, steht auf der Trauerkerze in Anspielung auf seine Standardfrage in der Fischerstube. Mit der Gattin und den Familien der drei Töchter betrauern seinen Tod sechs Enkelkinder und ein Urenkel.



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