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  • bert brandstetter

Alois Pils aus Sandl (1951 - 2020): Von einem wie ihm ließ man sich gerne lenken

Saß der Lois am Steuer, war die Welt in Ordnung. Das war schon so, als Amtsleiter Alois Quass noch Schüler war und es mit der Klasse für eine Woche nach Castelfeder in Südtirol ging. Der Lois war als sicherer Fahrer bekannt, aber auch als gemütlicher Mensch, der keine Scheu kannte, sich zu allen Leuten zu setzen. Bekannt war er für seine legendäre Pünktlichkeit, die er verlangte. Ehrensache für ihn war es, die Musikkapelle zu den verschiedenen Wertungen zu begleiten, immerhin war er ausgesprochener Fan der Musikanten, der bei jedem Wertungsspiel dabei war, „wohl um uns zu motivieren, wenn sogar der Bürgermeister zuhört“, wie Alois Quass vermutet. Früh zog es den in einfachsten Verhältnissen in der Ortschaft Gugu aufgewachsenen Alois Pils in die Politik. Mit 29 kam er für die SPÖ in den Gemeinderat, mit 40 war er für sechs Jahre Vizebürgermeister und von 2003 bis in den heurigen Mai Bürgermeister. Daneben ging er immer seinem Beruf als Postchauffeur nach, seine Amtsgeschäfte versah er zwischen seinen Fahrten, „dafür kam er aber täglich auf das Amt, was die Zusammenarbeit sehr erleichterte“, wie Amtsleiter Quass bestätigt. Als Bürgermeister agierte Pils aber ohnedies weniger auf dem Amt, sondern unter den Leuten. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass er ein sehr soziales Herz hatte: „Er kam jedes Jahr mit einer Unzahl von prall gefüllten Spenden-Schachteln nach Freistadt, um unseren Sozialmarkt zu unterstützen“, lobt ihn Herbert Stummer, der frühere Chef der Aktion. Dass er ein „grundehrlicher Kumpel“ war, streicht Hans Affenzeller, ehemals Landtagsabgeordneter, heraus. Er war so ehrlich, dass ihm die Pfarre, deren Gottesdienste er regelmäßig besuchte, das Amt des Finanzreferenten auftrug. Als Klemens Hofmann, der heutige Dechant seine Primiz in Sandl feierte, war es der Pils Lois, der es mit seinem Organisationstalent schaffte, „innerhalb von einer halben Stunde, 1200 Personen zu Mittag zu verköstigen“, wie sich Hofmann dankbar erinnert. Verlassen konnte man sich auf den Lois auch bei der Post, bei der er anheuerte, nachdem er zuvor etliche Jahre für die Firmen Haberkorn und Schick gefahren war. Die Kollegen wählten ihn zum Personalvertreter und „er hat das super gemacht“, sagt sein langjähriger Kollege Franz Kern aus Liebenau. Gesellig war der Lois natürlich auch. An so manchem Stammtisch sang er gerne freudig mit, wenn jemand ein Lied anstimmte, weiß man etwa beim Lukawirt. Kegelscheiben war weiters eine seiner gern ausgeübten Freizeitaktivitäten. Eine viele Jahre dauernde Freundschaft verband Pils mit der Familie Puff in der Südost-Steiermark. Einmal im Jahr fuhr er mit seiner Frau Gerda und einer Gruppe von Freunden hinunter, um sich mit Wein und vor allem mit steirischen Äpfeln einzudecken, die er im Anhänger transportierte. Viel bedeutete Pils seine Familie. Seine Frau Gerda, die er beim Volkstanzen im Pfarrheim kennen gelernt hat, heiratete er 1970. Die Kinder Petra und Heimo schenkten ihm vier Enkelkinder, denen er sich jetzt mehr widmen wollte, seitdem er vor einem halben Jahr das Bürgermeisteramt übergeben hatte. Das Coronavirus machte dem einen Strich durch die Rechnung. Schon schien er im Spital auf dem Weg der Besserung, da ereilte ihn ein Rückfall, dem er erlag. Den Versehgang erfuhr er durch Klemens Hofmann. Voller Schock und Trauer sagt sein Nachfolger Gerhard Neunteufel: „Alois Pils hatte ganz besondere menschliche Qualitäten, die ihn für seine Familie und seine Freunde zu einem einzigartigen Lebensbegleiter machten“. Und der neue SPÖ-Klubobmann Michael Lindner nennt ihn einen „bodenständigen und sozialen Kümmerer“.



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