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  • bert brandstetter

Alois Luger aus Linz (1937 - 2020): Ein überzeugter Verachter von Diktaturen

Es müssen beklemmende Momente im Leben der Familie Luger gewesen sein, als sich während der Kriegsjahre immer wieder die Gestapo in ihrer kleinen Linzer Wohnung wichtig machte. Immerhin: Vater Luger hatte sich als aufrechter Katholik geweigert, in Polen auf Juden zu schießen. Diese Haltung brachte ihn auf die Krim, wo er von einer Mine zerfetzt wurde. Daheim in Linz versuchte sich seine Frau als Hausbesorgerin durchzubringen. Sohn Alois nahm aus dieser Zeit die tiefe Ablehnung gegen jede Diktatur mit in sein Leben. Er lernte das Tischlerhandwerk, wechselte dann aber wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten in den Maschinenbau II der VOEST. Zugleich trat er der Gewerkschaft bei. Der SPÖ war er schon vorher eng verbunden. Als achtjähriger Stöpsel spielte er mit den Kinderfreunden, später waren es die Roten Falken und die Sozialistische Jugend, wo er immer seine Heimat fand. In dieser Zeit entdeckte Alois die klassische Musik. Die Sozialistische Jugend bot Interessierten Musikinstrumente zum Ausleihen, Alois wählte die Violine und spielte zu guter Letzt in einigen Konzerten eifrig mit. „Das ist ihm geblieben“, sagt sein Sohn Klaus, der heutige Linzer Bürgermeister: „Mit meiner Mutter besuchte er viele Konzerte im Brucknerhaus oder im Musiktheater. Am allerliebsten war ihm Mozarts Zauberflöte“. Der andauernde Schichtdienst, Alois hatte sich für die harte 12-Stunden-Schicht entschieden, schlugen sich im Lauf der Jahre auf sein Kreuz. Er zwar zwar mächtig stolz darauf, als angelernter Arbeiter am ersten Windkanal für Schweden mitgewirkt zu haben, das Angebot, im ÖGB als Sekretär arbeiten zu können, nahm er aber gerne an. Was ihm dazu fehlte, waren die nötigen Grundkenntnisse wie Maschinenschreiben oder Buchhaltung. In der ihm eigenen Zähigkeit erwarb er sich diese Fertigkeiten in Abendkursen, und das, obwohl er zu der Zeit bereits mit seiner Frau Elfie verheiratet war und nach Klaus auch Tochter Sabine geboren war. „Alois war seiner Linie absolut treu, er hat aber die Meinung anderer durchaus gelten lassen“, erinnert sich Adolf Mastny. Die beiden hatten in den 1970-er Jahren die Aufgabe, einen Kollektivvertrag für Friseure, Kosmetiker und Reinigungskräfte zu erstellen und sie schafften nach langen und zähen Verhandlungen die Aufgabe. Luger und Mastny wurden trotz der durchaus verschiedenen Lager zu Freunden. Hochachtung bringt Alois Luger ebenfalls der frühere SPÖ-Chef Fritz Hochmair entgegen, der ihn aus Gewerkschaftstagen kennt: „Alois Luger hat nie ein großes Wetter um sich gemacht, aber man hat auf ihn gehört, weil er Spezialist in Personalfragen war“. Parteipolitisches Gewicht gewann Alois Luger als Vorsitzender der SPÖ-Sektion Karlhof von 1978 – 1990 und als Gemeinderat bis 1991. Sein Amt im Karlhof übergab er direkt an Sohn Klaus. Ihm war dabei eine geheime Wahl wichtig, um Gerede hintan zu halten. Umso größer die Freude, als Klaus 100 % der Stimmen bekam. Dass es mit dem heutigen Bürgermeister heftigste Diskussionen gab, als dieser in Studentenzeiten bei der KPÖ war, versteht sich. „Das hat ihn massiv genervt, er hat es mir aber nie nachgetragen“, berichtet Sohn Klaus. Umso größer die Freude, als er schlussendlich in den Schoß der SPÖ zurückgekehrt ist. „Da hat der Vater ein paar gute Flaschen aufgemacht“, erinnert sich Luger, der von ihm die Liebe zum Kochen geerbt zu haben scheint. „Er mochte die Gesellschaft und freute sich, wann er für viele grillen oder aufkochen konnte“, erzählt Schwiegersohn Johannes Greul. „Und er war ein äußerst fürsorglicher Opa“, erinnert sich Waltraud Kaltenhuber an ihre Zeit als Direktorin der Karlhofschule. „Zu Mittag haben die Lugers oft ihre Enkerl abgeholt und dann betreut“. Erholung fand Luger bei vielen Reisen, vorzugsweise mit dem Wohnwagen durch halb Europa, zuletzt immer wieder auf eine Insel in Kroatien. Stolz war Alois natürlich auf seinen Sohn. Gern nahm er in der Pension als Zuhörer an den Gemeinderatssitzungen teil, er hat aber nicht alles goutiert, was dort gesagt wurde. „Auch mich hat er daheim manchmal kritisiert“, gesteht der Linzer Bürgermeister.



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