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Alfred Obermüller aus Neumarkt i.M. (1940 - 2020): Hochgeachteter Ruhepol in der Gemeinde

Aktualisiert: 26. Nov 2020

Laut zu poltern oder auf den Tisch zu hauen war nie Seines. Viel lieber beobachtete er die Vorgänge und setzte den Hobel, wenn nötig, hinter den Kulissen an. Der Hobel hatte für Obermüller eine ganz besondere Bedeutung, war er doch Tischlermeister wie sein Vater. Doch der starb, als Alfred 16 und mit der Ausbildung noch längst nicht fertig war. Für den jungen Mann schon ein großer Schock, wenige Monate danach musste er völlig überraschend aber auch noch den Tod seiner Mutter miterleben. Die Tischlerei wurde stillgelegt, bis Alfred seine Ausbildung in Hallstatt abschließen konnte und als junger Meister 1963 den Betrieb aufnahm. Mit dem ihm eigenen Weitblick erkannte er die Situation im Tischlergewerbe und konzentrierte sich ab 1968 mehr und mehr auf die Bestattung. Gemeinsam mit seiner Frau Magdalena erweiterte er das Unternehmen auf mehrere umliegende Gemeinden und fand Zeit für sein kulturelles und politisches Engagement in seiner Gemeinde. Schon immer war das zunächst die Musik. Als geschickter Klarinettist spielte er in der Musikkapelle, als Bass und Geiger verstärkte er den Kirchenchor, den viele Jahre schon sein Vater geleitet hatte. Daneben ließ er sich zum Kapellmeister ausbilden und stand bald an der Spitze der heimischen Trachtenmusikkapelle, wie sich die Musiker dann nannten. Alfred Obermüller führte einen neuen, professionelleren Stil ein, was sich in zahlreichen guten und besten Platzierungen bei den verschiedenen Wertungsspielen bemerkbar machte. Höhepunkt seiner Ära war eine Tournee in den USA, von der die Musiker noch heute schwärmen. Auf sein Engagement in der Blasmusik geht die bereits 30-jährige Gemeindepartnerschaft zu Horneburg an der Niederelbe in Norddeutschland zurück. Bei einem Musikertreffen knüpfte er Freundschaft zum dortigen Spielmannszug, die Beziehung hält bis zum heutigen Tag. Alfred war damals längst politisch tätig. 1973 kam er in den Gemeinderat, ab 1979 war er 23 Jahre lang Bürgermeister, einige Jahre davon saß er sogar für die ÖVP im Landtag. Viel Energie verlangte ihm seine Zeit ab, in der er sich als Obmann der neuen Euregio um die Belebung der Grenzen zwischen dem Mühlviertel und Südböhmen bemühte. In diese Zeit fielen die Grenzblockaden wegen Temelin. Obermüller, selbst absolut kein Atomfanatiker, war gegenüber den Blockaden aber skeptisch. So sagte er etwa in einer Rede: „Nur an der Grenze zu stehen, und Blockade machen, das bringt nichts. In der Vergangenheit waren die Tschechen doch die begabten Techniker und die Österreicher die Beamten, daran erinnern sich die Leute stets.“Sein Freund Christoph Leitl, damals Wirtschaftslandesrat in Oberösterreich, stand immer unterstützend hinter ihm. „Ich habe seine verlässliche, solide Arbeit immer sehr geschätzt. Bescheiden wie er war, hat er Erfolge als selbstverständliches Ergebnis konsequenter Arbeit verstanden“. Lange leitete Obermüller die Wirtschaftskammer Freistadt, der Titel „Kommerzialrat“ bezeugt seine Qualität als Unternehmer. Sichtlich Freude bereitete ihm seine Ernennung zum Neumarkter Ehrenbürger. Bürgermeister Christian Denkmaier anerkennt, dass „Obermüller die Nachkriegs-Geschichte der Gemeinde wie kein anderer geprägt“ hat. Zwei Töchter gingen aus der Ehe mit Magdalena hervor. Dass Tochter Annemarie ihre berufliche Heimat in der SPÖ fand, grämte ihn anfangs sehr, der Gram wandelte sich allmählich in Stolz. Genauso lernte er mit dem Umstand leben, dass die ehemals schwarze Hochburg Neumarkt 2003 mit Christian Denkmaier einen roten Bürgermeister bekam. Bis zuletzt arbeitete Obermüller aktiv als Bestatter, wenn auch nur noch als Unterstützer für seine Tochter Andrea, der er den Betrieb 1997 übergab. Deren Tochter Hannah war für Opa Alfred das Ein und Alles. Unzertrennlich verbunden fühlte sich Obermüller seit Jahrzehnten mit dem LASK, dessen Heimspiele er mit Begeisterung besuchte. Gerne saß Alfred an so manchem Stammtisch, vorzugsweise am Sonntag Vormittag. Dessen strengen Vorsitz führte er bis zuletzt. Selbst Kammerpräsident Christoph Leitl musste sich in diesem Fall unterordnen. Alfred Obermüller fehlte als äußerst gesunder Mann kaum einmal bei diesen Treffen. Das Corona-Virus traf ihn unerwartet und er musste sein Leben lassen, nur wenige Wochen, nachdem er unter aller pandemiebedingter Vorsicht, vital wie eh und je seinen Achtziger gefeiert hatte.




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