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Alexander Baratsits-Altempergen aus Eferding (1945 - 2020): Engagierter Vertreter aller Journalisten

Alexander war auf „Alexander Ferdinand Karl Wenzel Jakobus Marcellus“ getauft und er hätte vor 100 Jahren möglicherweise noch „Freiherr von Baratsits, gefürsteter Graf von Sternberg, Edler zu Altempergen“ geheißen. Eine Oma sei Ungarin gewesen, weiß die Familie, danach hat sich das Leben der Baratsits auf Oberösterreich konzentriert. Alexander kam in Bad Hall zur Welt, wuchs in Eferding auf, er brauchte aber für seine schulische Bildung einen etwas weiteren Kreis als üblich. Das Gymnasium begann er in Hall in Tirol, wechselte an das Stiftsgymnasium Melk. Ohne Matura schaffte er nach einem Ferialjob den Einstieg in den Landesverlag als Redakteur der Welser Zeitung. Die journalistische Arbeit zündete sein soziales Gewissen. Er machte sich bald einen Namen als Kämpfer gegen alle möglichen sozialen Ungerechtigkeiten, „helfen, wo immer es geht“, wurde zu seinem Leitspruch. Mehr und mehr geriet der Landesverlag selbst in den Fokus seiner Aktivitäten, Baratsits wurde Betriebsrat, später Vorsitzender des Konzernbetriebsrates. Als solcher war er maßgeblich beteiligt, in der Krise des Landesverlages Raiffeisen als rettenden Anker ins Boot geholt zu haben. Zugleich vertrat er die eigene berufliche Branche im Präsidium der Journalistengewerkschaft. Aktiv engagiert war er dort etwa bei der Fusion mit der Gewerkschaft Druck und Papier. Baratsits, in der Welser Rundschau inzwischen freigestellter stellvertretender Chefredakteur, wurde gewählter Sekretär der Gewerkschaft. Dermaßen involviert weitete sich sein berufliches Engagement bald auf den internationalen Bereich als Mitglied der internationalen Föderation der Journalisten aus. Damals eng mit ihm verbunden war Gerhard Hennerbichler, der seinem Freund „eine meisterliche betriebsrätliche Arbeit“ bescheinigt. Eike-Klemens Kullmann, der jetzige Präsident der Journalistengewerkschaft, kann dies nur bestätigen: „Alexander war ein brillianter Formulierer, er vertrat klare Ziele und vermittelte bei seinen starken Auftritten nie eine Spur von Unsicherheit“. Dermaßen war es auch Baratsits und seiner perfekten Kommunikationstechnik zuzuschreiben, wenn Journalisten bei den Kollektivverhandlungen gute Abschlüsse verzeichnen konnten. Als Gewerkschaftsfunktionär unterstützte er seinen Sohn Alexander trotz starkem Gegenwind bei der Gründung eines freien, nichtkommerziellen Radios. Die Republik zeichnete sein Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz in Silber aus. Privat verlief das Leben des großen Mediengewerkschafters turbulent. Die Ehe mit seiner Frau ging auseinander. Aus dieser und einer weiteren Partnerschaft ergaben sich 7 eigene Kinder und 9 Enkel, drei weitere Kinder brachte seine letzte Partnerin in die Beziehung mit. Schwer zu schaffen machte Baratsits der Tod einer Enkelin, die an zystischer Fibrose erkrankt war und mit 16 starb. Den vielen Kindern ist es zuzuschreiben, dass Baratsits 13 Jahre lang im Elternverein des Gymnasiums Grieskirchen führend tätig war. In seiner Pension betätigte er sich wiederum gerne als Lehrer für Ausländer in Wels. War er früher als äußerst zynisch und bissig bekannt, schien sich der starke Raucher im Lauf der Jahre diesbezüglich doch beruhigt zu haben. „Er hat jetzt versucht, die Zeit zu genießen und er zeigte mir gerne manche Stätte seines früheren Wirkens. Dabei erwies er sich als wandelndes Lexikon. Auf jede Frage wusste er eine Antwort“, sagt sein 25-jähriger Sohn Benedikt. Er erlebte seinen Vater nach einem Schlaganfall, den er als 52-Jähriger erlitten hat, oft krank und gebrechlich. War er früher gerne in den Bergen unterwegs, wurde sein Radius nach und nach kleiner. „Manche Reise ging sich noch aus, auch Konzert- und Museumsbesuche und vor allem der Besuch des Sonntagsgottesdienstes waren noch möglich.“ Nach einem schweren Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte, schlief er friedlich ein.




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