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Wolfgang Werner aus Gallneukirchen (1947 - 2019) Versteckter Modeschöpfer


Kindern eine Rolle aufzudrängen, die ihnen nicht entspricht, war noch selten von Erfolg gekrönt. So auch nicht im Leben von Wolfgang Werner, dessen Eltern für ihn eine militärische Karriere geplant hatten. Seinen eigentlichen Herzenswunsch, eine prominente Modeschule besuchen zu können, verbaten ihm die Eltern. Wolfgang absolvierte zwar noch die Militärakademie in Wiener Neustadt, am Tag der Matura aber entsorgte er die Uniform noch am Bahnhof und legte damit seine militärische Vergangenheit endgültig ab. Ganz und gar unmilitärisch inskribierte er an der Universität bildende Künste, Psychologie und Pädagogik mit dem Ziel, Lehrer zu werden. An der Universität engagierte er sich mit großem Elan für die Studentenkollegen in der Hochschülerschaft, fand seine politische Heimat in der SPÖ und zeigte sich auch optisch bald so, wie es für seine Generation typisch war: mit langen Haaren, bei Wolfgang Werner kamen auch noch extravagante und auffallende Anzüge dazu. „Das Thema Mode hat ihn nie ganz verlassen“, erinnert sich Gattin Elisabeth, „mein Mann suchte sogar für mich die Kleider aus und zeigte dabei wirklich guten Geschmack“. Wolfgang Werner unterrichtete zunächst an der Linzer Fadingerschule, zuletzt am BG und BRG für Berufstätige, dem Abendgymnasium an der Spittelwiese, dessen Direktor er in den letzten Jahren war. „Ich habe meinen Chef als sehr kreativen Menschen in Erinnerung“, sagt Maximilian Haiger. „Werner hat seinen Unterricht bewusst sehr weltoffen angelegt, sicher weniger streng nach Lehrbuch“. Dies wussten die Schüler zu schätzen. Auch als der Herr Direktor nicht mehr viel im Klassenzimmer stand, holten sie sich Spezialinformationen bei Professor Werner im Direktorszimmer. Mit den Schülern unternahm Werner viele Exkursionen in Museen, um die Theorie möglichst anschaulich werden zu lassen. Außerhalb der Schule ließ sich Werner, um dessen Hals sich bis zuletzt meist ein roter Schal wand, für viele Kurse und Vorträge engagieren, auch am Zustandekommen des durchaus umstrittenen Medienkoffers zur Sexualerziehung im Unterricht hatte er maßgeblichen Anteil. Als Künstler entwarf er für Freunde weiters gerne Etiketten für manche Weinflaschen. Eine große Leidenschaft Werners war das Schreiben. „Rechtschreibfehler waren ihm ein Gräuel“, erinnert sich Gattin Elisabeth. Ihr Mann verwendete in der Pension viele Stunden, um Zeitungen zu lesen und ärgerte sich oft lautstark, wenn ihm ein Schreibfehler auffiel. Nach seiner Pensionierung 2012 zog sich Werner auffallend zurück, „die Arbeit mit den Schülern scheint ihm sehr gefehlt zu haben“, vermutet Elisabeth Werner, die seit 10 Jahren mit Wolfgang verheiratet war. Mit ihr trauern zwei Kinder und drei Enkelkinder aus seiner ersten Ehe um ihren Mann.




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