Suche
  • bert brandstetter

ÖR Michael Freiseder aus Gramastetten (1931 - 2020): Bürgermeister vieler Generationen

In der Amtszeit des Altbürgermeisters von Gramastetten spiegelt sich fast die gesamte zweite Republik. Als Freiseder 1966 zum ersten Mal angelobt wurde, hieß der Landeshauptmann von Oberösterreich noch Heinrich Gleißner. Auf Bundesebene war Josef Klaus Bundeskanzler. 2002, als Freiseder 36 Jahre später abtrat, war er mit ziemlicher Sicherheit einer der längst gedienten Bürgermeister der Republik. In Oberösterreich war Josef Pühringer, österreichweit Wolfgang Schüssel am Ruder. Vor seiner Zeit als Bürgermeister saß Freiseder fünf Jahre im Gemeindeausschuss, dem heutigen Gemeinderat. Damals war Alfons Gorbach österreichischer Bundeskanzler. Für Freiseder machten die vielen Wechsel wenig Unterschied. Sein Bestreben war es, für Gramastetten möglichst viel herauszuholen. „Als Nachbar-Bürgermeister von Linz hatte er es ja nicht leicht. Ich habe es verstanden, dass er Geld gebraucht hat für seine Bedürfnisse“, erinnert sich Alt-Landeshauptmann Josef Ratzenböck und er half ihm, so gut es ging beim Bau von Wohnungen oder dem Schulzentrum. Wichtig waren Freiseder auch die Verbesserung der Wege und der Abwasserverband. Dass er bei den Landespolitikern immer Gehör fand, lag nicht nur an seiner leutseligen und aufrechten Art, sondern auch an seinen Mitbringseln, die er gern dabeihatte: „Er brachte mir immer die beste Mehlspeise der Welt: Gramastettner Krapferl“, erinnert sich Ratzenböck genussvoll. Doch auch die Schreibtische anderer Politiker verschönerte Freiseder regelmäßig, wie sein langjähriger Amtsleiter Rudolf Haslmayr weiß: „Vor Weihnachten war er tagelang mit Weihnachtssternen unterwegs“. Präsent war Freiseder natürlich vor allem in seiner Gemeinde. Als geselliger Mensch liebte er es, bei den Leuten zu sein und er amtierte daher oft in den Gasthäusern, um die notwendigen Dinge gleich auszureden. „Bei ihm gab es keinen Streit, er war ein hervorragender Politiker und ein großartiger Mensch“, bescheinigt ihm Alt-LH Ratzenböck. „Freiseder wollte halt allen alles recht machen und er hat sich persönlich dafür eingesetzt“, sagt Amtsleiter Haslmayr. Daheim beim „Allerstorfer“ in Türkstetten hielt seine Rosa die Stellung. 1958 haben die beiden geheiratet, er zog dafür von Eidenberg nach Gramastetten. Seine Kindheit war geprägt von einem schweren Wundstarrkrampf, den er mit vier Jahren erlitten hatte und danach wieder das Gehen von Neuem erlernen musste. Michael überwand die Schwierigkeiten mit der ihm eigenen Zähigkeit und begann sich für die Öffentlichkeit zu engagieren. Er gründete die Landjugend in seiner Gemeinde, bei einer der vielen Veranstaltungen lernte er seine Rosa kennen. Sechs Kinder gingen aus der Ehe hervor, Sohn Johannes verstarb bereits 1988. In seiner Landwirtschaft war der Bürgermeister vor allem für die Hühner zuständig, im Winter zusätzlich für das Füttern der Vögel. So sehr er sich für die übrige Arbeit interessiert hätte, es blieb wenig Zeit dafür. Schließlich musste sich ein Bürgermeister auch bei den Eis- und Asphaltschützen sehen lassen. Auch dort erfuhr er, wo die Leute der Schuh drückt und wo Verbesserungen nötig sind. Seine Familie wuchs auf neun Enkel und zwei Urenkelkinder, sie waren seine große Freude. „Die Politik hat Papa bis fast zum Schluss interessiert“, sagt Tochter Anneliese Grillnberger. Ihren Vater hat sie als stets gut aufgelegt in Erinnerung, der zum Schluss halt immer schwächer geworden ist, bis er vergangenen Sonntag im 90. Lebensjahr sterben konnte.




74 Ansichten

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com