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ÖR Josef Nopp aus Eidenberg (1932 - 2020): Voller politischer Einsatz, selbst gegen Mistgabeln

Ein leichtes Leben hatte Josef Nopp als Gemeindepolitiker nicht. Er war aktiv in einer Zeit, in der Grund und Boden noch viel wichtiger eingeschätzt wurde als heute und in der um jeden Zentimeter beinhart gekämpft wurde. So musste es Nopp schon ertragen, dass er einmal mit einer Mistgabel von einem Bauernhaus verjagt wurde, weil er einen besseren Zufahrtsweg zu drei Häusern schaffen wollte. Aber Nopp blieb hartnäckig, wenn er von einer Sache einmal überzeugt war. Nicht immer konnte er persönlich den Erfolg einfahren, manchmal war das erst den nachfolgenden Politikern vergönnt. Ein anderes Mal ging es um die kleine Volksschule in der Ortschaft Geng. Nopp kämpfte gegen viel Widerstand für die Verlegung nach Eidenberg – und scheiterte. Jedoch nur fürs Erste. Der jetzige Bürgermeister Adi Hinterhölzl schaffte die Verlegung, „dafür blieb der gemeinsame Kindergarten in der Geng“, zeigt sich HInterhölzl diplomatisch. „Der Nopp war ein starker Charakter und ein Vorbild im Einsatz für die Gemeindebürger“, sagt Hinterhölzl über den ehemaligen Vizebürgermeister, den Eidenberg zum Ehrenbürger gemacht hat. „Auf ihn geht der Bau von 21 Güterwegen zurück, oft waren ihm die Bewohner erst im Nachhinein dankbar dafür, weil sie jetzt ordentliche Hofzufahrten haben.“ Sein damaliger politischer Zwilling war Johann Wakolm, er hält Nopp für einen „menschlich einmalig“ und für einen „vorbildlichen klassen Burschen“. Während Nopp als Vizebürgermeister agierte, stand hinter ihm sein bereits 2007 verstorbener Schwager Johann Schütz als Bürgermeister. Wann immer wo Schwierigkeiten auftauchten, wurde meistens „der Huemer“ geholt, das war der Hausname von Josef Nopps Bauernhaus. Und der stattlich große Mann kam und versuchte die vielen Streitfälle zu schlichten. Bewährt hat sich Nopp weiters als Organisator. Das größte Fest, das Eidenberg bisher erlebt hat, war 1980 das Erntedankfest mit 10.000 Besuchern. Es geht auf Josef Nopp zurück, er war damals Ortsbauernobmann, Vorstand im Lagerhaus und beim Maschinenring, Landwirtschaftskammerrat und Löschmeister bei der Genger Feuerwehr. Oft trug Nopp bei seinen politischen „Blitzeinsätzen“ die Postuniform, weil er ja fast 30 Jahre lang Postler war. Zunächst fuhr er als junger Bursch in Linz Telegramme aus, später fand er in der Druckerei der Postzentrale auf dem Pfarrplatz Verwendung. „Natürlich arbeitete der Schwiegervater auch in der Landwirtschaft mit, meistens halt in der Früh vor seiner Arbeit bei der Post oder an kurzen Tagen am Nachmittag. Der Abend gehörte ganz seinen politischen Ämtern“, berichtet Schwiegertochter Rosemarie Nopp. Geboren wurde Josef in der Zwettler Ortschaft Innernschlag als ältestes von acht Kindern. Dort wuchs Nopp auf und überraschte die Lehrer mit seinen guten Schulerfolgen, sodass er in die Hauptschule nach Leonfelden geschickt wurde. Den Weg dorthin legte er im Winter auf den Schiern, im Sommer mit dem Fahrrad zurück. „Manchmal musste er das Radl im Gasthaus zur gefrorenen Pipe vor den Russen verstecken, weil die ganz narrisch auf Räder waren“, erinnert sich Johann Wakolm an Erzählungen seines Freundes. In der zweijährigen Winterschule von Katsdorf wurde Nopp zum landwirtschaftlichen Facharbeiter ausgebildet, er lernte später seine Theresia von der Hammermühle kennen, heiratete sie 1958 und bekam mit ihr acht Kinder. Eigentlich wollte er als Bauer arbeiten. Der Bau des Stalles und der nötige Ausbau der Wohnung verschlangen aber viel Geld, sodass sich Nopp um die Stelle bei der Post bewarb, die er bis zu seinem Schlaganfall 1998 ausübte. Mit dem ihm eigenen Lebenswillen konnte er die beim Schlaganfall entstandenen Beeinträchtigungen weitgehend wegtrainieren. Er saß wieder am Steuer seines Autos und erfreute sich seiner großen Familie mit den 29 Enkel- und 15 Urenkelkindern. Er blieb bis zuletzt ein geselliger, humorvoller Mensch, der gerne über seine auch heiteren Lebensgeschichten erzählte. Eine hartnäckige Lungenentzündung beendete schließlich sein Leben ohne allzu lange Leidenszeit.


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